Predigten

Wie oft haben Sie schon beim Hören einer Predigt gedacht: "Das war ein guter Gedanke. Schade, dass ich nichts zum Schreiben dabei habe." Dem Wunsch, das gesprochene Wort zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen zu können, entsprechen wir auf dieser Homepage. Ausgewählte Predigten, die im Kirchenkreis Rotenburg gehalten wurden, werden auf diesen Seiten veröffentlicht.

Schauen Sie hinein, lassen Sie sich inspirieren und scheuen Sie sich nicht, zum Verfasser der Predigt Kontakt aufzunehmen, falls Sie noch Fragen oder Anregungen haben.

Natürlich sind Sie immer und jederzeit herzlich eingeladen, einen der vielen Gottesdesdienste in unserem Kirchenkreis persönlich zu besuchen. Ob Familiengottesdienste, musikalische Gottesdienste, Gottesdienste in anderer Form - die Möglichkeiten sind vielfältig, die Auswahl ist groß. Um Ihnen bei der Auswahl zu helfen, haben wir unter dem Menüpunkt "Veranstaltungen" einen Suchfilter eingebaut.

Datum
Titel
Name
So. 06.10.13
Predigt zum Erntedankfest
Haike Gleede
Predigt zum Erntedankfest

Wie viel Erde braucht der Mensch?

Leo Tolstoi erzählt vom Bauern Pachrom. Ihm wird ein Angebot gemacht: Er kann so viel Land erwerben, wie er an einem Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umgehen kann. Pachrom rennt los. Er geht unermüdlich, ist schon ganz außer Atem, gönnt sich keine Pause. Nein, hier noch nicht einbiegen. Diesen Streifen Land will ich noch haben. Die Sonne steht hoch am Horizont. Er schwitzt. Nur nicht aufgeben, weiter immer weiter. Er kämpft weiter, bald kann er nicht mehr, schleppt sich mit letzter Kraft voran. Die Sonne geht schon unter, jetzt aber schnell. Kurz vor dem Ziel bricht er zusammen. Er kommt nicht ans Ziel. Am Ende wird er auf dem Flecken Erde, auf dem er starb begraben.

Wie viel Erde braucht ein Mensch?

 

Liebe Gemeinde!

Vor uns liegen die Schätze des Sommers: Äpfel, Kürbisse, Pflaumen, Getreide, Kohl …

Alles, was wir zum Leben brauchen, ist im Überfluss vorhanden. Das ist nicht selbstverständlich. In vielen Ländern der Erde fällt die Erde kärglich aus.

Wir danken Gott dafür, dass er uns so reich beschenkt und feiern Erntedank.

Auch im Predigttext geht es um Schätze. Genauer gesagt, um zwei Sorten von Schätzen:

Jesus spricht in der Bergpredigt:

»Sammelt keine Schätze hier auf der Erde!

Denn ihr müsst damit rechnen, dass Motten und Rost sie zerfressen oder Einbrecher sie stehlen. Sammelt lieber Schätze bei Gott.  …

Denn euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt.“

Es gibt also irdische Schätze und himmlische Schätze.

Die irdischen Schätze – das ist unser Hab und Gut. Es kostet uns viel Zeit und Kraft, unseren Besitz zu sichern und zu erhalten. Wir können uns anstrengen so viel wir wollen: Wir halten den Verfall nicht auf. Das Auto rostet, die schönen Kleider werden von Motten angefressen. Alles Irdische, alles Sichtbare, ist vergänglich, auch der Mensch!

Es macht gar keinen Sinn über neunzig Prozent aller Gedanken und Gespräche nur darauf zu konzentrieren, was wir anschaffen, erneuern oder vergrößern wollen.

Sonst ergeht es uns wie Pachrom, der seine Kräfte maßlos überschätzte. Am Ende verlor er alles. 

Der Mensch strebt nach immer mehr und verliert sich selbst dabei aus dem Blick.

„Denn euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt.“

Für dieses Streben nach Besitz gibt es zwei Gründe:

1. Wir sind uns selber nicht genug, und deshalb werten wir uns auf durch das, was wir erarbeitet haben. Wir fürchten, dass man uns nicht liebt, so wie wir sind. Und darum erkaufen wir uns die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung andere durch das, was wir vorzeigen können.

„Geld macht nicht glücklich – aber es beruhigt doch ungemein.“ Dieser vielzitierter Spruch führt uns zum 2. Grund: Viele glauben, dass sie sicherer sind, wenn sie viele Güter um sich herum aufstapeln können. Sie fühlen sich abgesichert. Vor allem, wenn sie gut versichert sind.

Aber dieses Sicherheitsdenken macht uns zu rastlosen Wesen, die einen großen Teil ihrer Lebenskraft aufwenden, ihr Leben zu sichern und ihre Güter zu verwalten.

Aber Freunde kann man nicht kaufen, Freude nicht erwerben, Zufriedenheit nicht ersteigern und die Güte eines anderen nicht bezahlen.

Alle Dinge, die das Leben wirklich reich machen, sind unbezahlbar.

Jesus fordert auf, das Herz zu weiten.

Gefühle, Zärtlichkeit, Poesie, die Schönheit der Natur, die Liebe zum anderen: Das alles erfahren wir, wenn wir Gott unser Herz hinhalten.

Er füllt es mit Segen.

 

Und denen, die ein weites Herz haben, sieht man das an:

Das sagt Jesus auch:

„Aus dem Auge leuchtet das Innere des Menschen:

Wenn dein Auge klar blickt, ist deine ganze Erscheinung hell;

wenn dein Auge durch Neid oder Habgier getrübt ist, ist deine ganze Erscheinung finster.

Wie groß muss diese Finsternis sein, wenn statt des Lichtes in dir nur Dunkelheit ist! «

 

Das Auge ist der Spiegel der Seele. Wer immer nur in den Abgrund schaut, hat einen ängstlichen Blick und klammert sich an jeden Strohhalm.

Wer den Blick zum Himmel erhebt, spürt die Sonne auf seinem Gesicht.

Wer nur in den irdischen Spiegel schaut, sieht nur sich selbst.

Wer in den Spiegel schaut, den Gottes Liebe uns vorhält, der erkennt, wohin Gott ihn gestellt hat:

Mitten ins Leben, auf seine wunderbare Erde, neben andere Menschen.

 

Es gibt Menschen, von denen geht eine positive Ausstrahlung aus.

Sie leuchten tief von innen heraus, aus dem Herzen.

Jesus hatte eine solche Ausstrahlung. Er brachte Licht und Wärme in die Welt. Die Begegnung mit ihm veränderte Menschen. Sie verließen ihre alten Lebensgewohnheiten und wurden frei. Sie fingen an, selbst zu strahlen.

 

Auch für die himmlischen Schätze danke ich Gott.

Ich stelle einige Symbole für die himmlischen Schätze zu den Erntegaben. Denn die himmlischen Schätze sind ja unsichtbar.

 

Das Kreuz erinnert uns an Jesus Christus. Er ist durch den Tod ins Leben gegangen. Er hat für uns den Weg frei gemacht zu Gott. Er wendet unseren Blick auf die Menschen neben uns. Danke Jesus für deine Liebe.

 

Kanne mit Wasser: Ich bringe eine Kanne Wasser zum Altar. Wasser gehört zu den lebensnotwendigen Elementen. In der Taufe wird es zum Wasser des Lebens. Als getaufte Christen gehören wir zu den Kindern Gottes. Das ist ein Geschenk. Dafür danke ich Gott.

 

Bibel: In der Bibel lesen wir Gottes Verheißungen. Sie gelten uns. Er hat das Leben geschaffen und gesegnet. Gottes Wort öffnet uns eine ganz neue Welt. Ich danke Gott für sein Wort.

Wenn wir es uns zu Herzen nehmen, können wir nur gewinnen. Es führt uns aus unserer engstirnigen Welt in die Weite des Himmels.

 

Kerze: Wir begegnen Jesus noch heute. Darum sind wir hier und feiern Gottesdienst.

Ich zünde eine Kerze an für das Licht, das Jesus in dunkle Herzen bringt.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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Haike Gleede

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