Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 17.06.18
Es war mir ein Vergnügen
Haike Gleede
Es war mir ein Vergnügen

Es war mir ein Vergnügen

Es ist heiß, der Aufstieg auf den Berg ist mühsam. Viele nehmen diese Plage heute auf sich. Auf einer Wiese versammeln sie sich. Gespannt lauschen sie den Worten des Bergführers.

Sein Blick schweift über das Land, das sich nach dem Regen verwandelt hat.

Unzählige wilde Blumen verzaubern Berg und Tal. Was sonst über den langen, heißen Sommer trocken und brach da liegt – erwacht zu neuem Leben. In bunten Farben wiegen sich Blüten und Gräser im Wind. Eine traumhafte Landschaft, wie man sie nur in dieser Jahreszeit erleben kann.

Jesus schaut in die erwartungsvollen Augen seiner Zuhörer.

Sie hatten von dem neuen Wanderprediger aus Nazareth schon gehört. Das hat sie neugierig gemacht. Konnte er Antworten geben auf ihre Lebensfragen, ihre Gier nach Erfüllung stillen.

Jesus spricht in anschaulichen Bildern.

„Seht, die Vögel. Seht, die Lilien auf dem Feld in all ihrer Pracht. Seht euch an.“

Er kennt die Sorgen der Leute, wie sie im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot essen.

Und dann geht es ihnen noch gut. Aber was, wenn es keine Arbeit gibt, kein Geld, kein Brot – wovon sollen sie ihre Familie ernähren. Ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen und eine Mahlzeit auf dem Tisch – das ist das mindeste, was der Mensch zum Leben braucht. Aber das kann doch nicht alles sein, was Gott für uns bereithält.

„ .. und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“ Heißt es in den Psalmen (Ps 90)

Luther übersetzte: "und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen".

Jesus sieht die müden Gesichter, erschöpft vom täglichen Überlebenskampf. Es ist nicht die Arbeit, die ihnen ihre Kräfte raubt – es ist die innere Unruhe, die Angst, dem Leben nicht gerecht zu werden und sich selbst zu verlieren.

„Sorgt nicht um euer Leben!“ ruft Jesus.

Sorgen – ja die hatten sie, jede Menge Sorgen um die großen und die kleinen Dinge des Lebens.

Die politischen Verhältnisse im Land, die Zukunft der Kinder, darum wie sie ihre Familie ernähren und wie sie in dieser Welt überleben sollen.

Sie machen müde – die Gedanken um die vielen kleinen alltäglichen Dinge, aber auch die Sorge um das große Ganze und die Zukunft. Jesus predigt Gelassenheit und verweist auf die Blumen des Feldes.

Wenn Gott schon die Blumen des Feldes edler kleidet als einen König, um wie viel mehr wird er sich um die Menschen kümmern.

Spricht die Bibel vom Gras, so können wir uns darunter eine ganze Blumenwiese vorstellen. Vergleichbar mit den Blühstreifen, die gelegentlich an Acker – und Wegesrändern wachsen. Die Blumen – sie zeigen die Schönheit und die Vielfalt der Schöpfung.

Dazu gehört der Klatschmohn. Er veranschaulicht besonders die Vergänglichkeit der Blütenpracht. Es ist ein Symbol für das Leben, das Werden und Vergehen.

Die Hundskamille setzt unzählige gelb-weiße Farbtupfer auf die Felder und zieht die Bienen an. Die Kornblume steht oft am Feldrand und fällt durch ihre blaue Farbe besonders auf: Ein Symbol für Reinheit und Treue. Eine verschenkte Kornblume wünscht Glück und Wohlergehen und bringt die Botschaft zum Ausdruck: "Auch wenn Du mich abweist, ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Die weiße Lilie ist die Königin unter den Blumen. Ihr Duft betört. Ihre Form beeindruckt. Sie steht für Jungfräulichkeit und Reinheit. Maria ist oft mit einer weißen Lilie dargestellt, oft wird sie ihr vom Engel Gabriel übereicht. Wer eine Lilie verschenkt, signalisiert dem Beschenkten Hochachtung und Zuneigung.

In Stein gemeißelt gehört sie übrigens auch zum Schmuck im salomonischen Tempel.

Die Zuhörer Jesu sind nachdenklich geworden. Auf die Blumen und die Vögel haben sich noch nie geachtet, zu sehr waren sie mit sich selbst beschäftigt.

Haben Sie sich wiedergefunden unter den Zuhörern der Bergpredigt?

Die Sorgen und Nöte, die Jesus hier anspricht, kennen wir. Sie gehören zu unserem menschlichen Dasein. So vieles beschäftigt uns. Sie macht müde die Sorge, wie ich mich ernähren soll – Vegan, vegetarisch oder einfach nur ausgewogen?

Welche Lebensmittel schaden mir, welche sind gesund, wie bleibe ich fit und gesund?

Sie macht müde die Sorge darum, wer in der Welt das Sagen hat, um Umweltschutz und Gleichstellung, um rechts oder links, um Macht und Ohnmacht, das Altwerden und Jungbleiben. Sie macht müde die Sorge darum, ob ich noch voll im Trend liege oder schon zum alten Eisen gehöre.

 

Das Angebot ist so reichhaltig, die Informationen so vielfältig.

Jeden Tag treffen wir tausende von Entscheidungen. Die meisten sind vollkommen unwichtig.

Da bleibt keine Zeit mehr einfach nur zu sein, wahrzunehmen, was schon ist, was ich nicht schaffen muss.

Darum suchen viele Menschen nach einem Ausgleich, nach einer neuen Tiefe für ihr Leben. Seit einigen Jahren sind Achtsamkeitsmeditation beliebt geworden. Das Bedürfnis sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren.

Psychologen (Ulrich Ott von der Universität Gießen und Peter Malinowski von der Universität Liverpool.) beschreiben die positive Wirkung mit folgendem Bild:

"Ich gehe beim Meditieren auf einen Berg und schaue hinunter ins Tal. Das heißt, ich bin nun in einer Position, die ein bisschen dem Alltagsgeschäft enthoben ist und kann auf das Ganze herunterschauen." Dieser Abstand schafft Selbstvertrauen, dass "sich sogar die größten inneren Dramen wieder auflösen. Das führe langfristig zu mehr Zufriedenheit und Lebensfreude.

Jesus hat damals schon solch eine Achtsamkeitsmeditation mit den Leuten gemacht. Es ist sicher kein Zufall, dass er dazu mit ihnen auf einen Berg stieg und dort seine Bergpredigt hielt. Bis heute eine Quelle der Weisheit und der Kraft.

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Das ist der Vers, der mich schon so manches Mal gerettet hat.

Jeder Tag hat seine Plage und seine Freude. Eins geht nicht ohne das andere. Wer überleben will, wer etwas bewegen will, muss sich anstrengen, muss etwas investieren.

Natürlich – das ist so im Leben. Aber das allermeiste, was wir haben, ist uns geschenkt. Die Erfüllung des Lebens ist  es, das, was ich erarbeitet habe zu genießen. Und Gott gibt immer noch etwas obendrauf, wenn wir an seinem Reich bauen.

Lothar Zenetti hat das in einem Gedicht so beschrieben:

Es war mir ein Vergnügen

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,

für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras

und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne

und für all die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; bitte die Rechnung.

Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:

Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht:

Es war mir ein Vergnügen! (Lothar Zenetti)

 

Heute ist Kräutertag. Da dreht sich alles um Kräuter und Pflanzen. Die manchmal so unscheinbaren Wildblumen und Kräuter erzählen etwas vom Leben. Nehmt euch die Zeit und achtet auf ihre Bestimmung. Nehmt davon etwas mit in euren Alltag.

Verzehrt euch nicht im alltäglichen Einerlei, verzettelt euch nicht im du musst, du solltest, du könntest doch auch noch.

Sondern entfaltet einfach eure Blüten, so unscheinbar sie auch sein mögen.

Erkennt euch als Geschöpf Gottes in seinem großen Garten und das Leben als ein wunderbares Geschenk.

Amen.

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Mo. 01.01.18
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Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

 

Liebe Gemeinde,

wie kostbar Wasser ist, merken wir manchmal erst, wenn es uns fehlt. Ich selbst erinnere mich an eine Bergtour im Sommer, bei der ich den Wasserbedarf in der Sommerhitze völlig unterschätzt habe. Nach vier Stunden Aufstieg war mein Wasservorrat schon fast aufgebraucht. Und beim Abstieg wurde der Durst immer größer, jeden Schluck habe ich bewusst genommen. Und irgendwann genau eingeteilt, um es bis unten zu schaffen. Wenn ich nicht Begleiter gehabt hätte, die mit mir geteilt hätten, wäre ich wahrscheinlich nicht gesund angekommen.

Diese Erfahrung hat sich mir eingeprägt. Immer wieder, wenn ich Wasser trinke, denke ich daran und danke Gott dafür, dass er uns das Wasser schenkt. Und ich verstehe, welch ungeheure Zusage in dem Satz steckt, den wir als Jahreslosung mit in dieses neue Jahr nehmen dürfen: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Denn schon unser körperliches Durstgefühl ist ja etwas ganz Grundlegendes. Erst recht das, was die Jahreslosung anspricht. Hier geht es um unseren Lebensdurst. Hier geht es um unsere ganze Existenz. Hier geht es um die Lebensquellen, die uns vor dem inneren Austrocknen bewahren.

Trinkwasser haben wir in unserem Land genug. Aber Quellen für die Seele fehlen uns. Woraus nähren wir uns? Das ist die vielleicht wichtigste Frage, wenn wir an diesem Tag in das neue Jahr 2018 gehen. Wir haben einige nachdenkliche Stimmen dazu gehört. Wir haben von dem Geschäftsmann gehört, der erst bei Sterben im Hospiz merkt, was er im Leben verpasst hat. Es ging immer nur um das Geschäft. Noch eine Filiale und noch mehr Arbeit. Ich habe - so stellt er dann traurig fest – „meine Kinder kaum gesehen und bin meiner Familie kaum begegnet.“

Wir haben von der Frau gehört, die sagt: ich will da nicht mehr mitmachen, beim Immer höher, immer schneller, immer weiter! Beim Immer-besser-werden-Müssen! Und wir haben von dem Clown gehört, der die Sehnsucht nach Leben überhaupt erst zu wecken versucht.

Aus welchen Quellen leben wir? Und welche Quelle kann unsere Sehnsucht wirklich stillen? Vielen Menschen geht es so, dass sie spüren: mit einem Leben, in dem der materielle und der berufliche Erfolg an erster Stelle stehen, verpassen wir das Eigentliche. Die Gesundheitsforscher sagen es schon lange: Ab einem bestimmten materiellen Niveau steigt die Lebenszufriedenheit nicht weiter an, wenn wir noch mehr haben. Die Zufriedenheit von Gesellschaften wird größer, wenn alle Menschen etwas vom Wohlstand haben. Auch die Reichen – so das erstaunliche Ergebnis der Forscher – sind dann zufriedener. Und die Glücksforscher sagen: Achten Sie auf Ihre sozialen Beziehungen! Kein schickes Auto und keine neue Couch kann die Liebe zwischen Menschen und die Gemeinschaft, die sie trägt, ersetzen!

Wir wissen das. Aber warum vergessen wir das so leicht? Weil die Erkenntnisse der Forscher und auch die entsprechenden Alltagserfahrungen vielleicht unseren Kopf, nicht aber die Seele erreichen. Deswegen ist der Satz der Jahreslosung so wichtig: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Es ist ein Satz, der nicht nur an der Oberfläche zu uns spricht. Es ist ein Satz, der unsere Sehnsucht aufnimmt. Es ist ein Satz, der die Seele erreicht. Echte Lebensquellen basieren nicht auf guten Ratschlägen oder auf ausgeklügelten Strategien zum positiven Denken. Echte Lebensquellen kommen von dem, der uns alle geschaffen hat, der die ganze Welt geschaffen hat, der dich und mich mit seiner Liebe anstrahlt, so dass wir diese Liebe in uns aufnehmen und irgendwann selber ausstrahlen.

Alles, was wir tun müssen, ist, uns dafür zu öffnen, auf die kraftvollen Worte Gottes zu hören, sie in uns aufzunehmen, darüber nachzudenken, ihnen nachzuspüren, im stillen Gebet oder der Meditation, uns selbst leer zu machen und die göttliche Energie in uns aufzunehmen, gemeinsam mit anderen zu singen und uns von der Musik das Herz öffnen zu lassen für das, was Gott uns sagen will. Manche nennen das „Spiritualität“. Ich mag auch das alte Wort „Frömmigkeit“. Ich verbinde damit nicht Bigotterie, religiösen Zwang oder Heuchelei, sondern eine religiöse Praxis, die zu so etwas wie einer Schule der Freiheit werden kann, einem Weg zu den Quellen des Lebens, der Tür zu einem Leben mit Gott, das wahr macht, was die Jahreslosung uns verspricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Eine Neuentdeckung der Frömmigkeit öffnet uns den Blick auf die Fülle des Lebens. Das ist vielleicht das Wichtigste im Deutschland des Jahres 2018, einem reich gesegneten Land, in dem dennoch Knappheitsgefühle und Verlustangst überhand zu nehmen drohen.

Dass wir herausfinden aus dem Gefühl, zu kurz zu kommen. Und dass wir entdecken, aus welcher Fülle wir leben dürfen. Und die Fülle spüren, aus der wir leben dürfen.

An vielen Stellen spricht die Bibel von dieser Fülle: „Denn es hat Gott gefallen“, heißt es im Kolosserbrief (Kol 1,19), „alle Fülle in Jesus wohnen zu lassen.“ Johannes sagt: „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade“ (Joh 1,16). Und Paulus spricht davon, wie die Erfahrung der Fülle uns offen macht für die Liebe zum Nächsten: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (…): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.«“ (2. Kor 9,8f).

Manchmal sind es aber auch nicht Bibelworte, sondern Erfahrungen mit Menschen, die uns einen neuen Blick auf die Fülle und das Glück des Lebens gewähren..
Ich habe in den Tagen vor Weihnachten eine solche Erfahrung gemacht. Ich habe einen Menschen näher kennengelernt, der im Münchner Hauptbahnhof Straßenzeitungen verkauft. Sein Leben weist viele Brüche auf. Seinen ganzen Besitz hat er in ein paar Plastiktüten neben sich stehen. Die Nacht verbringt er jetzt im Winter an Orten im Bahnhof, wo es eine Wärmequelle gibt – oder in der Nachtlinie der Tram, die so lange fährt, dass ihn über Stunden niemand zwischendrin weckt. Er hat eine Monatskarte. Und als ich ihn frage: Können Sie so genügend schlafen?, antwortet er mir, fast überrascht über diese Frage: „Ja, klar! Ich komme zurecht!“ Er ist fest angestellt bei der Straßenzeitung und ist zufrieden. Er hat mir übrigens auch von Dresden erzählt, wo er geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Ich habe in dem ganzen Gespräch keine Klage gehört. Für mich war dieses Gespräch eine Schule der Demut.

Es gibt wahrhaft keinen Grund, Armut zu romantisieren, schon gar nicht, wenn man selbst dankbar für alle materielle Sorgenfreiheit ist. Aber nach der Begegnung mit diesem Mann am Münchner Hauptbahnhof habe ich immer wieder einmal darüber nachgedacht, wofür ich dankbar bin und was ich wirklich brauche, um zufrieden zu sein.

Der Satz von Dietrich Bonhoeffer, den wir vorhin gehört haben, hilft mir: „Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche“. Der Satz stammt aus einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge vom 19. März 1944 aus dem Gefängnis. Immer wieder beeindruckt mich Bonhoeffers tiefe Frömmigkeit und sein mutiges Zeugnis im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Und ich glaube, dass es uns auch in unseren manchmal viel weniger dramatisch scheinenden Alltagsfragen helfen kann. In unseren Sehnsüchten und Wünschen immer wieder von neuem den Kontakt mit Gott zu suchen, all das, was uns bewegt, in Gottes Hand zu legen, zu spüren, dass Gott mit uns geht in den guten und in den schweren Zeiten, Frieden zu finden mit Gott und mit uns selbst, das ist erfülltes Leben.

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst – sagt Gott. Und weist uns damit den Weg zu einem Leben mit den anderen, in dem niemand mehr zu kurz kommt, in dem wir, weil wir Zugang zum lebendigen Wasser finden, selbst zur Wasserquelle werden. „Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst“, sagt der Prophet Jesaja (Jes 58, 9-11), „und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“

Das, liebe Gemeinde, ist die Vision, mit der wir in das Jahr 2018 gehen dürfen. Es wird Deutschland gut tun. Es wird der Welt gut tun. Es wird uns allen gut tun.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN

 

Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

1. Januar 2018 "Lebendiges Wasser"

Ev.-Luth. Frauenkirche Dresden

Quelle: https://rundfunk.evangelisch.de/kirche-im-tv/zdf-gottesdienst/lebendiges...

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So. 08.10.17
Herbst
Susanne Briese
Herbst

Es ist Herbst. Bunte Farben malen ein schönes Bild in die Bäume. Die Sonne lädt ein, das Laub beim Gehen aufzuwirbeln. Sanft fallen die Blätter und finden ihren Platz am Wege. Irgendwann werden sie vergehen, und Neues entsteht.

Romantisch wirkt dieses malerische Bild des bunten Herbstlaubes. Manche genießen diese Zeit, tauchen ein in die letzten wärmenden Sonnenstrahlen und in das bunte Bild der Wälder. Anderen werden die Gedanken jetzt schwer. Ihnen singt der Herbst vom Abschied, ihnen erzählen die fallenden Blätter Geschichten vom Sterben. Der Herbst erinnert daran, dass alles, was lebt, auch einmal gehen muss. Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke beschreibt das so:

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
 

Die Sonntage der nächsten Wochen erinnern uns an unsere Toten. Trauer berührt das Herz aufs Neue. Und große Fragen bewegen manche unter uns: „Wie wird es sein, wenn ich einmal sterbe? Was wird von mir übrigbleiben? Und wie werde ich es ertragen können, wenn ein Mensch stirbt, den ich liebe?“

 

Draußen fallen die Blätter. Die Zeit vergeht. Und mit ihr auch wir. Das kommt uns nahe in diesen Tagen. Wer lebt, muss auch einmal gehen. Der Tod ist ein Bruder des Lebens. Auf Fragen nach dem Weg, der vor uns Menschen liegt, muss jeder eine eigene Antwort finden.

„Ich denke jetzt im Herbst an den Tod meines Mannes zurück. Das war kein schöner Herbst! Es war schwer, dass er schon sterben musste. Es hat sehr weh getan, so auseinander gerissen zu werden“ schreibt eine Frau, dessen Ehemann nach einer schweren Krankheit verstarb. „Aber da stand auch Vertrauen im Raum“, sagt sie, „einer ist da, der dich hält.“ Das Gedicht von Rainer Maria Rilke endet so:

„Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

 

 

 

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Susanne Briese

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Di. 10.01.17
Ein neues Herz
Haike Gleede
Ein neues Herz

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Jahreslosung aus Hesekiel 36,26

Liebe Gemeinde!

Hesekiel war ein außergewöhnlicher Prophet mit außergewöhnlichen Visionen in einer außergewöhnlichen Zeit – so las ich es in einem Buch zur Vorbereitung auf diese Predigt. Dieser Prophet berichtet in spannenden Bildern von seinen Begegnungen mit Gott.

Manche seiner Visionen sind bis heute noch nicht entschlüsselt wurden. Manche Wissenschaftler meinen sogar, Hesekiel schildere unter anderem die Landung eines Raumschiffes, als er über seine Berufung schreibt.

Es sind auf jeden Fall starke Bilder, in denen er Gottes Gegenwart fasst.

Bilder, die deutlich machen, Gott ist weit mehr als wir es jemals erfassen und in Worte fassen können.

Wir schreiben das Jahr 600 vor Christus. Als Priester Israels und Berater des Königs Jojachin zieht er mit in das babylonische Exil.  Der Krieg ist verloren, das Land besetzt.

Hesekiel lebt mit den Verbannten am Fluß Kebar, einem Kanal in Babylonien. Sie haben sich dort eingerichtet und es geht ihnen nicht schlecht, aber das Heimweh bleibt und die Sorge um die Zukunft.

In den ersten Jahren verkündet Hesekiel Gerichtsworte an sein Volk. Weil sie Gott nicht gehorchten, darum ist es zur Katastrophe gekommen.  Und es kommt noch schlimmer. 10 Jahre später belagert der babylonische Herrscher Nebukadnezar II. Jerusalem ein zweites Mal, vernichtete es endgültig, zerstörte auch den Tempel. Nun wurde auch der Rest der Bewohner in die Gefangenschaft nach Babylon geführt. Doch dann ändern sich die Weissagungen Hesekiels. Die Gerichtsworte galten nun den Babyloniern. Seinem eigenen Volk dagegen verkündete er, es werde eines Tages eine Rückkehr und den Wiederaufbau des Tempels geben. So verheißt er im Exil eine neue Zeit, eine Rückkehr in die Heimat, die verbunden ist mit einem neuen Leben und Denken.

Das neue Leben und Denken, von dem der Prophet spricht, ist also eine Gabe und Aufgabe gleichzeitig. Aus dieser Zeit stammt auch die Jahreslosung: Hes 36, 26

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Das Wort Herz kommt im Alten Testament 858 Mal vor. Kaum etwas anderes scheint so wichtig zu sein wie das Herz.

 Des Klugen Herz sucht Erkenntnis, heißt es etwa im Buch der Sprüche (Spr 15,14) oder Das Herz des Weisen macht seinen Mund klug (Spr 16,23). Das Herz ist zwar auch der Ort des Gefühls, noch viel mehr aber der Ort des Denkens und der Erkenntnis.

Hes 36, 26

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Für das Jahr 2017 erreicht uns diese Botschaft. Die Jahreslosung begleitet uns auf unserem Weg durch das neue Jahr.

Das Herz – mehr als nur ein Organ, das Blut durch unsere Adern pumpt. Viele Redewendungen machen deutlich, dass wir dem Herzen noch andere Eigenschaften zusprechen.

So wird es auch im neuen Jahr manches geben, was uns zu Herzen gehen wird, manchem ein Stein vom Herzen fallen, nachdem er sich ein Herz gefasst und sein Herz ausgeschüttet hat. Menschen werden ein Herz und eine Seele sein und andere sich das Herz brechen. Menschen werden sich ins Herz schließen, von Herzen grüßen und mit dem Herzen sehen. Andere werden ihr Herz verschließen oder gar herzlos handeln.

Viele Redewendungen zeigen, wie eng Leib und Seele, Herz und Geist zusammenhängen.

Und ja, auch heute sehnen sich Menschen nach einem Neuanfang, nach Heimat und Frieden.

Es liegen 2600 Jahre zwischen dem Propheten und uns. Die Geschichte scheint sich stetig zu wiederholen, immer wieder Krieg und Frieden, Liebe und Hass, die Macht Einzelner  gegen die Gemeinschaft, Egoismus gegen Nächstenliebe.

Und die Frage nach Gerechtigkeit. Werte wie soziale Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Solidarität gelten nicht mehr viel.

So viele Terroranschläge wie niemals zuvor erschütterten uns in diesem Jahr.

Nach wie vor sind weltweit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger.

 Wenn sich etwas ändern soll, dann geht das nur mit Gott.  Nur er kann ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Das macht der Prophet deutlich:

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Nichts anderes ist auch die Einsicht Martin Luthers: Der Mensch kann sich seine Gerechtigkeit nicht selber schaffen. Er wird aus Glauben und Gnade gerecht.

Nur Gott kann die Herzen und Geister verwandeln.

Der Schriftsteller Julien hat einmal gesagt: „Manchmal zerbricht Gott einem das Herz, um in das Herz zu gelangen.“

Vielleicht muss das gar nicht immer so sein. Ich wünsche mir ein Herz, in dem Gott Platz hat und einen Geist, der offen ist für neue Gedanken und Wege.

Sicher haben sie längst einen Kalender für 2017. Da stehen auch schon Termine drin, aber es gibt auch noch freie Tage, unverplant. Ganz egal, verplante oder freie Tage, ich lege sie alle in Gottes Hand, damit er sie segnet und mir dann ins Herz legt. Vielleicht muss ich manchen Plan verwerfen und umdenken. Vielleicht bringt mich gerade das dann Gott näher, wer weiß.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Amen.

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So. 08.01.17
Wochenspruch Sonntag, 08. Januar 2017 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 08. Januar 2017 bis Samstag, 14. Januar 2017

Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Röm 8, 14)

Feiertag

1. Sonntag nach Epiphanias

Erklärung

Was bleibt von und was folgt der Geburt im Stall von Bethlehem? Das Fest Epiphanias, zu Deutsch Erscheinung, und die folgenden Sonntage gehen dieser Frage nach. Sie gehören noch zum Weihnachtsfestkreis.
Gott wird sichtbar in Jesus über die Grenzen Israels hinaus, sowohl in dem neugeborenen Kind als auch im herangewachsenen Mann. Davon handeln die Texte in den Gottesdiensten der Epiphaniaszeit: Gelehrte aus fernen Landen kommen, um den „neugeborenen König anzubeten“; während der Taufe Jesu (Evangelium am 1. Sonntag nach Epiphanias) und auf einem Berg im Beisein der engsten Freunde (Evangelium am letzten Sonntag der Epiphaniaszeit) vermacht Gott seine Kraft an Jesus: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“; während einer Hochzeitsfeier in dem Dorf Kana setzt Jesus selbst das erste Zeichen dieser Kraft.

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 11.12.16
Wochenspruch Sonntag, 11. Dezember 2016 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 11. Dezember 2016 bis Samstag, 17. Dezember 2016

Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig! (Jes 40, 3.10)

Feiertag

3. Sonntag im Advent

Erklärung

„Bist du es, der da kommen soll?“, so die Frage von Johannes dem Täufer im Evangelium des 3. Sonntags im Advent. Die Antwort Jesu: Haltet Augen und Ohren offen, „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“. In der Lesung aus dem ersten Testament verheißt der Prophet Jesaja den nach Babylon Verbannten: Bald wird der Herr Wege ebnen zurück in die Heimat, die zerstörte Stadt Jerusalem wird wieder neu aufblühen. Hinter den Fassaden der Wirklichkeit Gottes neues Welt zu erkennen und für sie zu leben, dazu ermuntert dieser Sonntag.

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Mi. 30.11.16
„Mache dich auf und werde licht;
Haike Gleede
„Mache dich auf und werde licht;

 

„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Jesaja 60, 1-2

Advent. Die Zeit der Kerzen hat begonnen, begleitet von Liedern und vom Duft der Kekse und dem Tannengrün. Advent feiern – inne halten. Das Licht begleitet uns.

Dazu habe ich ein Wort aus dem Propheten Jesaja ausgesucht: Jes 60

„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Jesaja 60, 1-2

Vier Impulse für den Weg gibt der Text:

  1. Impuls: Mache dich auf!

Drei kurze Worte, die das Leben verändern. Mache dich auf – das heißt da macht sich einer auf den Weg, geht aus seinen alten Gewohnheiten und wagt einen neuen Schritt. Mache dich auf, das kann auch heißen: Öffne dich! Mach deine Tür weit auf, damit Gott in dich hineinziehen kann! Maria ist diesem Ruf gefolgt. Das junge Mädchen aus Nazareth verlobt sich mit dem Zimmermann Josef. Dann erreicht sie dieser Ruf: Mache dich auf! Sie öffnet sich dem Willen Gottes. Gebärerin und Mutter Jesu wir sie. Sie lässt sich ein auf den Weg mit Gott. Sie folgt seinem Ruf. Hochschwanger macht sie sich dann mit Josef auf den Weg nach Bethlehem.

  1. Impuls: Werde licht!

„licht“ klein geschrieben ist ein Eigenschaftswort: Werde licht oder werde hell, werde durchscheinend für Gottes Liebe.

Entzünden wir ein Licht, dann wird es hell. Je dunkler es ist, um so mehr wird es ihre Leuchtkraft entfalten.

Bei Paulus im 2. Kor heißt es:

„Denn Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Wir tragen also den hellen Schein von Gottes Liebe in unseren Herzen.

  1. Impuls: denn dein Licht kommt.

Perspektivwechsel. Manchmal droht unser Licht zu verlöschen. Dann brauchen wir neues Feuer, das uns ansteckt. Das Licht ist schon auf dem Weg. Jesus kommt. Er ist das Licht der Welt, das die Herzen anfeuert.

Dein Licht kommt – damit bin ich ganz persönlich gemeint. Jede/r von uns. Das ist eine Ermutigung nicht aufzugeben. Mit dieser Zukunft im Herzen kann ich getrost in die Zukunft gehen. So wie Maria und Josef sich auf den Weg machten nach Bethlehem. Dort gab es keinen Raum in der Herberge. Eine aussichtslose Situation, beängstigend für eine Schwangere. Aber sie verzweifelt nicht und sie fanden schließlich eine Unterkunft: in einem Stall. Dort kommt Jesus zur Welt.

  1. Impuls: Und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.

Was für eine Zusage!

Am Ende eines jeden Gottesdienstes werden wir gesegnet mit den Worten: Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir.

Die Heilige Gegenwart Gottes bekommt nun das Gesicht eines Neugeborenen, das in einer Krippe liegt.

Durch dieses Kind tritt der Glanz Gottes in die Welt. Jesu Angesicht leuchtet über uns und in uns. Gottes Gegenwart, Gottes Glanz ist da, ist sichtbar in der dunklen Welt. Aber nicht da, wo die Festbeleuchtung alles überstrahlt, sondern wo es dunkel ist – da erkennen wir Gottes Licht.

Dorothee Sölle hat einmal gesagt: „Die Bewegung der Liebe geht aus dem Geheimnis Gottes durch das menschliche Herz hindurch mitten in die Welt.“

Von Maria erzählt die Bibel, dass sie die Worte der Hirten und die Botschaft der Engel in ihrem Herzen bewegte.

Und dass wünsche ich uns auch. Dass wir Gottes Wort im Herzen bewegen, dass es uns von innen her erleuchtet und uns zum Strahlen bringt. Amen.

 

 

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So. 05.06.16
Glücklich wer einen Garten hat!
Haike Gleede
Glücklich wer einen Garten hat!

Gott legte zuerst einen Garten an. Er schuf dem Menschen damit einen angenehmen Lebensraum. Nach dem Sündenfall wurde das Paradies zu einem Sehnsuchtsort.

Glücklich wer einen Garten hat! Es gibt nichts Schöneres als im Frühjahr die ersten Blumen und Kräuter sprießen zu sehen. Es ist einfach wunderbar, hier und da im Garten eine Beere zu naschen oder mal eben ein bisschen Schnittlauch, Dill oder Petersilie aus dem Garten zu holen für das Mittagessen. Manchmal, wenn ich lange gesessen habe, tut mir die Gartenarbeit richtig gut – hacken, jäten, pflanzen und säen – das macht den Kopf frei.

Ich greife die Erde mit meinen Händen und fühle mich gleichzeitig dem Himmel ganz nah. Ich spüre die schöpferische Kraft der Erde. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ sagt ein Sprichwort.

Früher lebten die Menschen aus ihrem Garten, bauten Obst und Gemüse an. Die Ernte wurde eingemacht, eingekocht oder eingelegt als Vorrat für den Winter. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ – die existentielle Bedeutung dieses Bibelverses hat sich gewandelt. Heute ist es günstiger, das Gemüse zu kaufen und auch weniger aufwendig. Für die meisten ist es kaum noch vorstellbar, von dem, was sie ernten, leben zu müssen.

Der Garten ist eher ein Hobby und ein Ort der Erholung. Für manch einen wurde der Garten zum Lebenselixier, wenn er auch nicht mehr das Überleben sichert.

Bisweilen sind Menschen selbst wie Gärten. Sie wissen Rat, geben Trost und haben immer etwas, was sie einem anderen zustecken können.

„Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ So beschreibt der Prophet Jesaja einen zufriedenen Menschen, der mit Gott im Einklang lebt und für andere zu einem Segen wird.

Solche Menschen gibt es. Sie vermitteln etwas Beständiges, etwas Schöpferisches, etwas, was andere tröstet und inspiriert. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ Darum: Glücklich, wer einen Garten hat!

 

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Haike Gleede

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Di. 01.03.16
Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater…
Monatsspruch
Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater geliebt hat, so ........

Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Joh 15,9

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Mo. 01.02.16
Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem…
Monatsspruch
Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Mk 11,25

Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas

vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im

Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Mk 11,25

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Mo. 16.11.15
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“
Roger Moch
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

Am 14. November jährt sich der Geburtstag von Astrid Lindgren zum 108. Mal. Generationen sind mit ihren Büchern groß geworden. Mit Pippi, Ronja, Michel... Mich hat schon sehr früh Pippis Stärke beeindruckt und Michels verschmitzter Einfallsreichtum. Ihr freudiger Umgang mit unterschiedlichen Menschen und die Zuwendung zu ihnen faszinieren mich noch heute. Über Astrid Lindgrens Verhältnis zur Kirche ist immer mal wieder spekuliert worden. Sie soll ein zurückhaltendes Verhältnis zur schwedischen Amtskirche gehabt haben. In ihren Kinderbüchern finden sich trotzdem viele christliche Bilder, religiöse Anfragen und Bibelworte

Ihren Gottesglauben beschreibt sie so: „Geht alles gut, mache ich mir keine Gedanken darüber.“ Und an anderer Stelle sagt sie: „Ich denke an Gott, wenn ich ihn dringend brauche.“ Von der schwedischen Staatskirche sei sie abgeschreckt worden, vor allem wegen der Unbarmherzigkeit einiger Pfarrer, die sie erlebt hat. Dennoch war ihr Menschenbild zutiefst christlich geprägt. So findet sich die Speisungsgeschichte Jesu auch bei „Michel aus Lönneberga“: Als Michel sah, dass die Armenhäusler von Katthult nichts von den traditionellen Weihnachtsgaben abbekommen hatten, lud er sie kurzerhand auf den Hof ein. Seine Eltern waren nicht zu Hause und so verteilte Michel die Vorräte, die eigentlich für den Weihnachtsbesuch am nächsten Tag bestimmt waren. „Die sind schon dick genug“, sagte er, als Schwester Klein-Ida Einwände erhob.

Eines der typischen Lindgren-Themen sei der Schaden und Nutzen von Macht, wird ihr nachgesagt. Die starke und selbstbewusste Pippi Langstrumpf zeigt, wie Macht für Gutes genutzt werden kann. „Ronja Räubertochter“ gibt ein Beispiel, wie Feindschaft zwischen Gruppen überwunden werden kann. In Büchern wie „Mio, mein Mio“ oder „Brüder Löwenherz“ ist der Tod Thema und im Märchen „Sonnenau“ das biblische Paradies. Ich finde es gut, dass den Kindern hier keine heile Welt vorgetäuscht wird. Astrid Lindgren hat in diesen Werken versucht, Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Das Menschenbild der Schriftstellerin wird z.B. in einer Geschichte sichtbar, in der Michels Mutter von den Bewohnern von Lönneberga Geld bekommt, damit sie ihren wilden, lümmelhaften Lausbuben nach Amerika verkaufen kann. Doch Michels Mutter wirft ihnen das Geld vor die Füße: „Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

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Roger Moch

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Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
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Do. 27.08.15
Geschenkte Zeit
Frank Hasselberg
Geschenkte Zeit

„Wenn man älter wird, vergeht die Zeit immer schneller.“ Früher hat meine Oma diesen Satz gesagt, später meine Mutter, und heute empfinde ich das selber so. Als Kind war die Zeit bis Weihnachten immer endlos lang, als Jugendlicher konnte ich es kaum erwarten, endlich 18 zu werden. Und heute? Die erste Hälfte des Jahres 2015 ist wie im Flug vergangen, abends wird es schon spürbar früher dunkel. Beängstigend. In einem neueren Kirchenlied heißt es: „Hilflos seh´ ich, wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag´, wo sie geblieben sind.“ Genauso geht es mir häufig.

Da kommt ein Zeit-Geschenk wie gerufen. Leider bewegt sich unsere Erde ja nicht so gleichmäßig, wie die Atomuhr es verlangt. Da muss der Mensch natürlich die Schöpfung korrigieren, deshalb wurde kürzlich eine Schaltsekunde eingefügt. Haben Sie es bemerkt oder diesen Augenblick verschlafen? Auf die Frage, was sie mit dieser zusätzlichen Sekunde anfangen wollen, antworteten Passanten bei einer Umfrage: „einen Schluck Wein trinken“, „schlafen“, „meinen Partner küssen“. Alles Drei sympathische Ideen, wie ich finde. Und mir wird deutlich: Die Zeit können wir nicht beeinflussen, aber was wir daraus machen, liegt zum großen Teil in unserer Hand. Gut: Für uns Menschen ist eine Sekunde nichts, aber für eine Eintagsfliege könnte sie ähnlich viel bedeuten wie für uns die „geschenkte“ Stunde am Ende der Sommerzeit. Das ist immer relativ und liegt im Auge oder im Empfinden des Betrachters. Worauf es mir ankommt: Zeit ist immer ein Geschenk, sie ist Gabe und Aufgabe, etwas daraus zu machen. Ich will sie sinnvoll nutzen und bewusst genießen, nicht nur jetzt im Urlaub in Dänemark. Und Gott dafür danken, so wie es im Refrain des Liedes heißt: „Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

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Frank Hasselberg

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Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor in der Markusgemeinde
Ernst-Dax-Straße 8
29640
Schneverdingen
Tel.: 
05193 4130
Mo. 27.07.15
Copy and paste
Pastorin Sabine Krüg…
Copy and paste

Seitdem ich mit dem Computer arbeite, ist das Leben um vieles leichter geworden. Ich mag mich gar nicht erinnern, wie ich damals im Studium noch mit Schreibmaschine und Tippex arbeiten musste. Und dann diese Erleichterungen! Fast automatisch werden heute die Tasten für copy and paste (kopieren und einfügen) genutzt, um fremde Texte oder Zitate in den eigenen Text zu kopieren.

Copy and paste sorgt aber gelegentlich auch für Ärger. Macht man diese fremden Texte zu seinem Eigentum, ohne sie als Zitate mit Anführungszeichen und Stellenangabe zu versehen, dann ist das geistiger Diebstahl. Ganze Doktortitel wurden so aberkannt, weil spitzfindige Prüfer den geistigen Dieben auf die Schliche kamen.

Copy und paste wird aber auch immer mehr zu einem Lebensstil. Es schockiert mich, wie viel in unserem Leben kopiert wird. Vielleicht aus Bequemlichkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit oder auch Angst? Und der Ordner für unsere Lebenskopien ist groß. Meinungen und Ansichten anderer werden kopiert, weil es zu anstrengend ist, den eigenen Kopf zu bemühen. Neueste Modetrends kommen in den Schrank, ob sie nun gut an mir aussehen oder nicht, denn man möchte ja dazugehören. Junge Mädchen kopieren Körpermaße aus Model-Shows und hungern sich fast zu Tode, nur um irgendwelchen unverantwortlichen Schönheitsidealen nachzueifern.

Seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist gewiss nicht immer leicht. Den eigenen Weg zu finden, das ist manchmal auch steinig und schwer. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Im Kindermutmachlied heißt es: „Gott sagt zu Dir: Ich hab dich lieb. Ich wär so gern dein Freund.“ Wir haben jemanden an unserer Seite, der mit uns geht. Er hilft mir zu erkennen: Ich bin keine Kopie! Denn das ist mein Leben: niemand kann an meiner Stelle seine Risiken und seine Chancen aus Gottes Hand nehmen. Das ist mein Körper: ein Teil von Gottes Schöpfung, einzigartig und darum kostbar. Das bin ich: von Gott gewollt und bejaht, so wie ich bin.

 

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Pastorin Sabine Krüger

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Gemeindegruppen
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Sabine
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Pastorin der Stadtkirchengemeinde
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27356
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Tel.: 
04261 4962
So. 31.05.15
Wochenspruch Sonntag, 31.05.2015 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 31.05.2015 bis Samstag, 06.06.2015

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jesaja 6, 3) 

Feiertag
Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis)

Erklärung

Wie könnten wir Menschen das Wesen Gottes erkennen? Unsere Glaubensgroßeltern haben versucht, eine Antwort darauf zu geben, nämlich als Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Diese Glaubenserkenntnis bestimmt unser Reden, Beten und Handeln. So feiern wir jeden Gottesdienst, so taufen wir im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Jetzt nach Ostern und Pfingsten bekommt diese Sprache von Gott mit dem Sonntag Trinitatis (Dreifaltigkeit) ihren Platz im Kirchenjahr. In den gottesdienstlichen Texten sind Abschnitte ausgewählt worden, in denen jeweils von allen drei Wesenarten Gottes die Rede ist. 

Thema
Die Heilige Dreifaltigkeit

Luthers Wochensprüche

Wer regiert, soll nicht denken:
Land und Leute sind mein. Ich will machen, wie es mir gefällt.
Sondern so: Ich gehöre dem Land und den Leuten.
Ich soll es machen, wie es ihnen nützlich und gut ist. 

Johannes 3,1-8 (9-15)

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde,1 so kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. 9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? 10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht? 11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an. 12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? 13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. 14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.  

Andacht der Woche

Sie kann die Zeit nicht zurück drehen. Die Tat ist getan. Deutlich sieht sie die verronnenen Jahre an ihrem Körper: Schlaff hängt die Haut an den Oberarmen, spannungslos der Bauch, das Haar grau – es ist wie es ist.

Sie konnte duschen im Gefängnis, aber doch blieb immer etwas haften, das sich klebrig anfühlt, das Ekel und Scham auslöst. Auch das Handtuch nahm es nicht auf, die Körperlotion perlte daran ab: Schuld. Bis heute.

Heute hat sie zum ersten Mal seit Jahren einen Badeanzug an. Sie steht auf der Wiese im Freibad. Schaut sich um. Hört Kinderjauchzen und Erwachsenenrufe. Fühlt den leichten Wind auf der Haut. Wie vertraut und wie fremd! Ganz entfernt, aus Kindertagen kennt sie diese Unbeschwertheit noch. Sie lächelt.

Sie hat einen Plan. Noch einmal ganz ins Wasser. Noch einmal ganz untertauchen. Mehr als nur Duschen. Rein werden. Wie damals, ganz zu Beginn. Das Böse, die Sünde abwaschen. Nur für einen Moment. Vielleicht. Wenn das überhaupt noch geht.

Niemand beachtet sie nun am Beckenrand. Sie zögert. Es ist tief. Sie kann dort nicht stehen. Sie fröstelt. Sie wird springen, das ist ausgemacht. Für das Gefühl, noch einmal kurz rein zu sein.

Die plötzliche Kälte schnürt ihr die Brust zu. Sie ist wie gelähmt. Dann hört sie Luftblasen um ihren Kopf gurgeln, und vor lauter Chlor, das ihr in den Augen brennt, kann sie unter Wasser kaum etwas sehen. Angst steigt in ihr auf. Sie tritt und rudert, verliert die Orientierung. Ihr geht die Luft aus. Lange hält sie es nicht mehr aus. Ihr wird schwarz vor Augen. Gerade, als sie den Mund zum Atmen öffnen will, spürt sie einen starken Arm unter der Achsel. Ihr Kopf durchbricht die Wasseroberfläche, sie hustet und spuckt, ringt nach Luft.

Der Bademeister legt sie auf die warmen Steinplatten am Beckenrand. Menschen laufen herzu, eine Frau bringt ihre Decke, eine andere Handtücher. „Was machen die denn da?“ fragt ein kleines Mädchen seine Mutter. Geistesgegenwärtig antwortet sie: „Ach, die feiern Geburtstag,“ und zerrt das Mädchen weiter. „Zweiten Geburtstag!“ seufzt der Bademeister. „So ein Kälteschock kann auch anders enden.“

Im Ringen um Luft kommen ihr die Tränen. „Ist schon gut,“ murmelt der Bademeister, „da will einer, dass Sie leben!“ „Trotz allem?“ presst sie hervor. Der Bademeister schaut fragend: „Ich sehe nur eine verängstigte, frierende Frau.“

Theodor Adam
Vikar in Steinwedel bei Hannover

 

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Di. 26.05.15
Herrlich unvollkommen
Frank Hasselberg
Herrlich unvollkommen

„Niemals könnte ich mich entschließen, einer Kirchengemeinde beizutreten. Keine von ihnen ist vollkommen“, sagte ein Zuhörer nach dem Vortrag eines bekannten Predigers. „Tja, mein lieber Freund“, antwortete dieser, „sollten Sie jemals eine vollkommene Kirche finden, so wird sie sich weigern, Sie aufzunehmen. Denn sobald Sie aufgenommen wären, würde sie aufhören, vollkommen zu sein.“

Wir feiern Pfingsten, gleich zwei Tage lang. Es ist der „Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes“ oder auch der „Geburtstag der Kirche.“ Also: herzlichen Glückwunsch, alte Dame! Als Geschenke bringen viele Menschen allerdings erstmal ihre hohen Erwartungen mit – so wie der Mann, von dem eben die Rede war. Sie muss – stellvertretend für alle – ein hohes Ideal erfüllen. Edel sei die Kirche, hilfreich und gut. Dabei kann niemand eine solche Messlatte erreichen. Eine vollkommene Kirche in einer unvollkommenen Welt – wie soll das gehen? Schließlich besteht sie aus Menschen wie du und ich – das ist ihr Problem, aber auch ihre Chance. Denn jeder von uns hat seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen. Und genau die können wir in unsere Kirche einbringen, gleich zu welcher Gemeinde wir gehören. Fühlt sich nicht ein unvollkommener Mensch gerade in einer unvollkommenen Kirche zuhause? Ich lebe und arbeite jedenfalls gern in ihr, weil ich weiß: Ich bin willkommen so, wie ich bin. Was nicht heißt, dass ich nicht besser werden könnte.

Alle sind eingeladen, mitzuarbeiten, frischen, „pfingstlichen“ Wind hineinzubringen. Wer seine Zweifel an der Kirche hat, der möge Mutter Teresa hören. Auf die Frage eines Journalisten: „Was meinen Sie, was sich an der Kirche ändern sollte?“ antwortete sie: „Sie und ich!“ Ein frohes Pfingstfest!

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Sa. 14.03.15
Wochenspruch, Sonntag, 15.03.2015 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch, Sonntag, 15.03.2015 bis Samstag, 21.03.2015

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12, 24) 

 

Feiertag
Laetare (4. Sonntag in der Passionszeit)

 

 

Erklärung

Der Sonntag Laetare steht in der Mitte der Fastenzeit und wird deshalb auch „Mittfasten” genannt. Ein anderer Name für diesen Sonntag aufgrund des Evangeliums von der Brotvermehrung ist „Brotsonntag”.

Nachdem bisher der Aspekt der Schuld gegenüber Gott stärker in den Vordergrund getreten ist, tritt nun am Sonntag Laetare Gottes Handeln an uns Menschen in den Vordergrund als Antwort auf unsere Verfehlungen. Dadurch wird der wichtige Aspekt des Evangeliums deutlich, dass wir eben in erster Linie durch Gottes Hilfe frei werden von unseren Verfehlungen, und nicht durch unsere eigenen Werke. Ein Innehalten, ein fast fröhliches Aufatmen innerhalb der Passionszeit. 

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Mo. 09.03.15
König von Deutschland
Peter Handrich
König von Deutschland

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besitzt ein Prozent der Menschen in Deutschland rund ein Drittel des vorhandenen Privatvermögens. Tendenz steigend. Zugleich ist der der Anteil der Menschen in Deutschland, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, gerade auf 15,5 Prozent gestiegen – das sind 12,5 Millionen Menschen.

Wer das für verrückt hält, muss entweder ein unverbesserlicher Sozialist oder ein durchgeknallter Christ sein, der noch glaubt, in einer Gesellschaft wie der unseren müsse sich doch gegenseitig geholfen werden. Stattdessen sind wir eine Gesellschaft, in der wir stolz darauf sind, dem Finanzamt vollkommen legal ein Schnippchen geschlagen zu haben oder unser Geld ganz illegal nach Luxemburg geschmuggelt zu haben – anscheinend mit der systematischen Hilfe von Banken, die wir Nichtschmuggler noch vor wenigen Jahren vor dem Bankrott retten mussten.

Natürlich, wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich das alles ändern. Bei mir gäbe es für alle Menschen ein durch Finanztransaktionssteuern finanziertes Bürgergeld, ein Grundgehalt ohne Vorbedingungen, und keiner müsste mehr arm sein (nur wer will, dürfte weiterhin reich sein).

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich König von Deutschland werde, ist gering. Deshalb wird aus dem Bürgergeld wohl nicht so schnell etwas werden – obwohl man es tatsächlich rechnen kann.

Inzwischen kann ich Ihnen nur raten: Gucken Sie hin. Armut ist überall. Geben Sie Geld weg, kaufen Sie Zeitungen von Wohnungslosen, sehen Sie Betteln nicht nur als schmutziges Geschäft. Lassen Sie sich notfalls über den Tisch ziehen, einmal behumst ist immer besser als nie etwas getan zu haben. Unterstützen Sie gute Projekte mit Ihrer Zeit oder Ihrem Geld.

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
Mo. 01.12.14
Nicht in Stimmung für Weihnachten
Matthias Richter
Nicht in Stimmung für Weihnachten

Immer in der Adventszeit erzählt meine Freundin in Berlin, dass sie überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten ist. Wahrscheinlich vergisst sie, dass sie das schon letztes Jahr erzählt hat. Mal sagt sie: „Wie soll man bei 13 Grad plus in Weihnachtsstimmung kommen!“ Dann denke ich: Wie sollen dann die Australier in Weihnachtsstimmung kommen? Ein anderes Mal sagt sie: „Das Geschiebe in der Stadt hat ja mit Weihnachtsstimmung überhaupt nichts zu tun! Außerdem ist in den Adventswochen im Büro immer viel zu tun. Wenn man es mit den Kollegen mal ein bisschen weihnachtlich machen möchte, sind stattdessen immer dringende Projekte zu bearbeiten. Und abends ist man dann ja auch nicht mehr in Stimmung.“ Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, fährt sie zu ihren Eltern. Dann gibt es drei Tage lang Lebkuchen, Stollen, Gänsebraten und Marzipan. Wenn sie wiederkommt, sagt sie: „Für meine Eltern besteht Weihnachten wohl nur aus Essen, ich habe bestimmt drei Kilo zugenommen.“ Ich glaube, wenn der Alltag wieder beginnt, ist sie richtig froh, dass sie nun nicht mehr in Weihnachtstimmung kommen muss

Sie ist bestimmt nicht die einzige, die sich mit dem Gefühl herumschlägt: „Ich bin überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten!“ Was soll man so jemandem sagen?

Man muss wohl die Personen anschauen, die zu Weihnachten gehören. Maria soll einen Sohn gebären. Dafür ist sie nicht nur nicht in Stimmung, es ist nicht nur unpassend, sondern sogar völlig unmöglich. Joseph ist auch nicht darauf eingestellt nun Vater zu werden. Beide sind überhaupt nicht in Stimmung wegen einer Volkszählung nach Bethlehem zu reisen. Jesus kam zur Welt, aber hat ihn jemand gefragt, ob er in Stimmung war, Gottes Sohn zu werden? Die Hirten auf dem Feld wurden von den Engeln geradezu überrumpelt und ob Maria so kurz nach der Geburt schon in Stimmung für einen Besuch war, dürfen wir bezweifeln.

Also: Weihnachten kommt einem so richtig in die Quere. Es durchkreuzt alle Erwartungen. Aber Menschen lassen sich darauf ein. Maria bekommt ihr Kind. Joseph wird Vater. Hirten machen sich auf den Weg. Gott wird Mensch – wie Sie und ich und ist in all dem dabei, was wir erleben und manchmal auch erleiden.

Darauf warte ich ab sofort wieder in diesem Advent ganz bewusst. Und wundere mich dann und wann. Gott gefällt es, in unpassende Situationen zu kommen. Gott ist ein bisschen unhöflich: kommt, wann er will, einfach so. Unvermutet. Unerwartet. Und zum Glück ist es gar nicht wichtig, ob ich in Stimmung für ihn bin.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 17.02.14
Kein Beinbruch
De van Nguyen
Kein Beinbruch

„Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfung machen muss." Diesen Satz hat meine Mutter vor vielen Jahren in einer Radioandacht gehört und seitdem bei vielen Gelegenheiten zitiert. Für mich hat dieser Satz erst eine Bedeutung nach meinem Examen bekommen. Keine Prüfungen mehr machen zu müssen. Was für eine unglaubliche Erleichterung. Keine Prüfungen mehr. Frei!

Die Zeugnisferien sind zu Ende. Ob die Zeit nötig war um erst mal durchzuatmen oder sich von einem Schrecken zu erholen, muss jeder Schüler selbst entscheiden. Jetzt geht es wieder los und „nach den Zeugnissen ist vor den Zeugnissen". Ein Hamsterrad - und die Entwicklungen in der Bildungspolitik verstärken dies nur. Früher blieb man mal sitzen. Das war doof, aber kein Beinbruch. Heute ist das mit viel mehr Zukunftsangst verbunden. Die Leistungsschrauben sind fest angezogen in unserem Schulsystem und wer nicht mitkommt ist ein Versager. Ich habe großes Mitleid mit den heutigen Schülern.

Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfungen mehr machen muss. Bis dahin ist dieser Satz kein Trost. Das schönste an Luthers Lehre ist, dass ich vor Gott nicht in eine Prüfungssituation komme und Angst vorm Durchfallen haben muss. Das ist mir jetzt schon Trost und nicht erst später.

Liebe Schüler, es gibt Schlimmeres als eine Fünf - vielleicht ist das jetzt schon ein Trost.

Meinen Großeltern wurde jedenfalls an jedem Zeugnistag schon aus dem Flur zugerufen: „Ist es nicht schön, dass wir alle gesund sind!"

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De van Nguyen

De
van Nguyen
Pastor i. R.
27356
Rotenburg (Wümme)
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