Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 16.11.15
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

Am 14. November jährt sich der Geburtstag von Astrid Lindgren zum 108. Mal. Generationen sind mit ihren Büchern groß geworden. Mit Pippi, Ronja, Michel... Mich hat schon sehr früh Pippis Stärke beeindruckt und Michels verschmitzter Einfallsreichtum. Ihr freudiger Umgang mit unterschiedlichen Menschen und die Zuwendung zu ihnen faszinieren mich noch heute. Über Astrid Lindgrens Verhältnis zur Kirche ist immer mal wieder spekuliert worden. Sie soll ein zurückhaltendes Verhältnis zur schwedischen Amtskirche gehabt haben. In ihren Kinderbüchern finden sich trotzdem viele christliche Bilder, religiöse Anfragen und Bibelworte

Ihren Gottesglauben beschreibt sie so: „Geht alles gut, mache ich mir keine Gedanken darüber.“ Und an anderer Stelle sagt sie: „Ich denke an Gott, wenn ich ihn dringend brauche.“ Von der schwedischen Staatskirche sei sie abgeschreckt worden, vor allem wegen der Unbarmherzigkeit einiger Pfarrer, die sie erlebt hat. Dennoch war ihr Menschenbild zutiefst christlich geprägt. So findet sich die Speisungsgeschichte Jesu auch bei „Michel aus Lönneberga“: Als Michel sah, dass die Armenhäusler von Katthult nichts von den traditionellen Weihnachtsgaben abbekommen hatten, lud er sie kurzerhand auf den Hof ein. Seine Eltern waren nicht zu Hause und so verteilte Michel die Vorräte, die eigentlich für den Weihnachtsbesuch am nächsten Tag bestimmt waren. „Die sind schon dick genug“, sagte er, als Schwester Klein-Ida Einwände erhob.

Eines der typischen Lindgren-Themen sei der Schaden und Nutzen von Macht, wird ihr nachgesagt. Die starke und selbstbewusste Pippi Langstrumpf zeigt, wie Macht für Gutes genutzt werden kann. „Ronja Räubertochter“ gibt ein Beispiel, wie Feindschaft zwischen Gruppen überwunden werden kann. In Büchern wie „Mio, mein Mio“ oder „Brüder Löwenherz“ ist der Tod Thema und im Märchen „Sonnenau“ das biblische Paradies. Ich finde es gut, dass den Kindern hier keine heile Welt vorgetäuscht wird. Astrid Lindgren hat in diesen Werken versucht, Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Das Menschenbild der Schriftstellerin wird z.B. in einer Geschichte sichtbar, in der Michels Mutter von den Bewohnern von Lönneberga Geld bekommt, damit sie ihren wilden, lümmelhaften Lausbuben nach Amerika verkaufen kann. Doch Michels Mutter wirft ihnen das Geld vor die Füße: „Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

Mo. 27.07.15
Copy and paste
Amely Lißner
Copy and paste

Seitdem ich mit dem Computer arbeite, ist das Leben um vieles leichter geworden. Ich mag mich gar nicht erinnern, wie ich damals im Studium noch mit Schreibmaschine und Tippex arbeiten musste. Und dann diese Erleichterungen! Fast automatisch werden heute die Tasten für copy and paste (kopieren und einfügen) genutzt, um fremde Texte oder Zitate in den eigenen Text zu kopieren.

Copy and paste sorgt aber gelegentlich auch für Ärger. Macht man diese fremden Texte zu seinem Eigentum, ohne sie als Zitate mit Anführungszeichen und Stellenangabe zu versehen, dann ist das geistiger Diebstahl. Ganze Doktortitel wurden so aberkannt, weil spitzfindige Prüfer den geistigen Dieben auf die Schliche kamen.

Copy und paste wird aber auch immer mehr zu einem Lebensstil. Es schockiert mich, wie viel in unserem Leben kopiert wird. Vielleicht aus Bequemlichkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit oder auch Angst? Und der Ordner für unsere Lebenskopien ist groß. Meinungen und Ansichten anderer werden kopiert, weil es zu anstrengend ist, den eigenen Kopf zu bemühen. Neueste Modetrends kommen in den Schrank, ob sie nun gut an mir aussehen oder nicht, denn man möchte ja dazugehören. Junge Mädchen kopieren Körpermaße aus Model-Shows und hungern sich fast zu Tode, nur um irgendwelchen unverantwortlichen Schönheitsidealen nachzueifern.

Seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist gewiss nicht immer leicht. Den eigenen Weg zu finden, das ist manchmal auch steinig und schwer. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Im Kindermutmachlied heißt es: „Gott sagt zu Dir: Ich hab dich lieb. Ich wär so gern dein Freund.“ Wir haben jemanden an unserer Seite, der mit uns geht. Er hilft mir zu erkennen: Ich bin keine Kopie! Denn das ist mein Leben: niemand kann an meiner Stelle seine Risiken und seine Chancen aus Gottes Hand nehmen. Das ist mein Körper: ein Teil von Gottes Schöpfung, einzigartig und darum kostbar. Das bin ich: von Gott gewollt und bejaht, so wie ich bin.

 

KONTAKT

Amely Lißner

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindegruppen
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Amely
Lißner
Pastorin der Stadtkirchengemeinde
Am Kirchhof
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 4962
So. 31.05.15
Wochenspruch Sonntag, 31.05.2015 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 31.05.2015 bis Samstag, 06.06.2015

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jesaja 6, 3) 

Feiertag
Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis)

Erklärung

Wie könnten wir Menschen das Wesen Gottes erkennen? Unsere Glaubensgroßeltern haben versucht, eine Antwort darauf zu geben, nämlich als Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Diese Glaubenserkenntnis bestimmt unser Reden, Beten und Handeln. So feiern wir jeden Gottesdienst, so taufen wir im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Jetzt nach Ostern und Pfingsten bekommt diese Sprache von Gott mit dem Sonntag Trinitatis (Dreifaltigkeit) ihren Platz im Kirchenjahr. In den gottesdienstlichen Texten sind Abschnitte ausgewählt worden, in denen jeweils von allen drei Wesenarten Gottes die Rede ist. 

Thema
Die Heilige Dreifaltigkeit

Luthers Wochensprüche

Wer regiert, soll nicht denken:
Land und Leute sind mein. Ich will machen, wie es mir gefällt.
Sondern so: Ich gehöre dem Land und den Leuten.
Ich soll es machen, wie es ihnen nützlich und gut ist. 

Johannes 3,1-8 (9-15)

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde,1 so kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. 9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? 10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht? 11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an. 12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? 13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. 14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.  

Andacht der Woche

Sie kann die Zeit nicht zurück drehen. Die Tat ist getan. Deutlich sieht sie die verronnenen Jahre an ihrem Körper: Schlaff hängt die Haut an den Oberarmen, spannungslos der Bauch, das Haar grau – es ist wie es ist.

Sie konnte duschen im Gefängnis, aber doch blieb immer etwas haften, das sich klebrig anfühlt, das Ekel und Scham auslöst. Auch das Handtuch nahm es nicht auf, die Körperlotion perlte daran ab: Schuld. Bis heute.

Heute hat sie zum ersten Mal seit Jahren einen Badeanzug an. Sie steht auf der Wiese im Freibad. Schaut sich um. Hört Kinderjauchzen und Erwachsenenrufe. Fühlt den leichten Wind auf der Haut. Wie vertraut und wie fremd! Ganz entfernt, aus Kindertagen kennt sie diese Unbeschwertheit noch. Sie lächelt.

Sie hat einen Plan. Noch einmal ganz ins Wasser. Noch einmal ganz untertauchen. Mehr als nur Duschen. Rein werden. Wie damals, ganz zu Beginn. Das Böse, die Sünde abwaschen. Nur für einen Moment. Vielleicht. Wenn das überhaupt noch geht.

Niemand beachtet sie nun am Beckenrand. Sie zögert. Es ist tief. Sie kann dort nicht stehen. Sie fröstelt. Sie wird springen, das ist ausgemacht. Für das Gefühl, noch einmal kurz rein zu sein.

Die plötzliche Kälte schnürt ihr die Brust zu. Sie ist wie gelähmt. Dann hört sie Luftblasen um ihren Kopf gurgeln, und vor lauter Chlor, das ihr in den Augen brennt, kann sie unter Wasser kaum etwas sehen. Angst steigt in ihr auf. Sie tritt und rudert, verliert die Orientierung. Ihr geht die Luft aus. Lange hält sie es nicht mehr aus. Ihr wird schwarz vor Augen. Gerade, als sie den Mund zum Atmen öffnen will, spürt sie einen starken Arm unter der Achsel. Ihr Kopf durchbricht die Wasseroberfläche, sie hustet und spuckt, ringt nach Luft.

Der Bademeister legt sie auf die warmen Steinplatten am Beckenrand. Menschen laufen herzu, eine Frau bringt ihre Decke, eine andere Handtücher. „Was machen die denn da?“ fragt ein kleines Mädchen seine Mutter. Geistesgegenwärtig antwortet sie: „Ach, die feiern Geburtstag,“ und zerrt das Mädchen weiter. „Zweiten Geburtstag!“ seufzt der Bademeister. „So ein Kälteschock kann auch anders enden.“

Im Ringen um Luft kommen ihr die Tränen. „Ist schon gut,“ murmelt der Bademeister, „da will einer, dass Sie leben!“ „Trotz allem?“ presst sie hervor. Der Bademeister schaut fragend: „Ich sehe nur eine verängstigte, frierende Frau.“

Theodor Adam
Vikar in Steinwedel bei Hannover

 

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Sa. 14.03.15
Wochenspruch, Sonntag, 15.03.2015 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch, Sonntag, 15.03.2015 bis Samstag, 21.03.2015

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12, 24) 

 

Feiertag
Laetare (4. Sonntag in der Passionszeit)

 

 

Erklärung

Der Sonntag Laetare steht in der Mitte der Fastenzeit und wird deshalb auch „Mittfasten” genannt. Ein anderer Name für diesen Sonntag aufgrund des Evangeliums von der Brotvermehrung ist „Brotsonntag”.

Nachdem bisher der Aspekt der Schuld gegenüber Gott stärker in den Vordergrund getreten ist, tritt nun am Sonntag Laetare Gottes Handeln an uns Menschen in den Vordergrund als Antwort auf unsere Verfehlungen. Dadurch wird der wichtige Aspekt des Evangeliums deutlich, dass wir eben in erster Linie durch Gottes Hilfe frei werden von unseren Verfehlungen, und nicht durch unsere eigenen Werke. Ein Innehalten, ein fast fröhliches Aufatmen innerhalb der Passionszeit. 

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Mo. 09.03.15
König von Deutschland
Peter Handrich
König von Deutschland

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besitzt ein Prozent der Menschen in Deutschland rund ein Drittel des vorhandenen Privatvermögens. Tendenz steigend. Zugleich ist der der Anteil der Menschen in Deutschland, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, gerade auf 15,5 Prozent gestiegen – das sind 12,5 Millionen Menschen.

Wer das für verrückt hält, muss entweder ein unverbesserlicher Sozialist oder ein durchgeknallter Christ sein, der noch glaubt, in einer Gesellschaft wie der unseren müsse sich doch gegenseitig geholfen werden. Stattdessen sind wir eine Gesellschaft, in der wir stolz darauf sind, dem Finanzamt vollkommen legal ein Schnippchen geschlagen zu haben oder unser Geld ganz illegal nach Luxemburg geschmuggelt zu haben – anscheinend mit der systematischen Hilfe von Banken, die wir Nichtschmuggler noch vor wenigen Jahren vor dem Bankrott retten mussten.

Natürlich, wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich das alles ändern. Bei mir gäbe es für alle Menschen ein durch Finanztransaktionssteuern finanziertes Bürgergeld, ein Grundgehalt ohne Vorbedingungen, und keiner müsste mehr arm sein (nur wer will, dürfte weiterhin reich sein).

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich König von Deutschland werde, ist gering. Deshalb wird aus dem Bürgergeld wohl nicht so schnell etwas werden – obwohl man es tatsächlich rechnen kann.

Inzwischen kann ich Ihnen nur raten: Gucken Sie hin. Armut ist überall. Geben Sie Geld weg, kaufen Sie Zeitungen von Wohnungslosen, sehen Sie Betteln nicht nur als schmutziges Geschäft. Lassen Sie sich notfalls über den Tisch ziehen, einmal behumst ist immer besser als nie etwas getan zu haben. Unterstützen Sie gute Projekte mit Ihrer Zeit oder Ihrem Geld.

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
Mo. 01.12.14
Nicht in Stimmung für Weihnachten
Matthias Richter
Nicht in Stimmung für Weihnachten

Immer in der Adventszeit erzählt meine Freundin in Berlin, dass sie überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten ist. Wahrscheinlich vergisst sie, dass sie das schon letztes Jahr erzählt hat. Mal sagt sie: „Wie soll man bei 13 Grad plus in Weihnachtsstimmung kommen!“ Dann denke ich: Wie sollen dann die Australier in Weihnachtsstimmung kommen? Ein anderes Mal sagt sie: „Das Geschiebe in der Stadt hat ja mit Weihnachtsstimmung überhaupt nichts zu tun! Außerdem ist in den Adventswochen im Büro immer viel zu tun. Wenn man es mit den Kollegen mal ein bisschen weihnachtlich machen möchte, sind stattdessen immer dringende Projekte zu bearbeiten. Und abends ist man dann ja auch nicht mehr in Stimmung.“ Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, fährt sie zu ihren Eltern. Dann gibt es drei Tage lang Lebkuchen, Stollen, Gänsebraten und Marzipan. Wenn sie wiederkommt, sagt sie: „Für meine Eltern besteht Weihnachten wohl nur aus Essen, ich habe bestimmt drei Kilo zugenommen.“ Ich glaube, wenn der Alltag wieder beginnt, ist sie richtig froh, dass sie nun nicht mehr in Weihnachtstimmung kommen muss

Sie ist bestimmt nicht die einzige, die sich mit dem Gefühl herumschlägt: „Ich bin überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten!“ Was soll man so jemandem sagen?

Man muss wohl die Personen anschauen, die zu Weihnachten gehören. Maria soll einen Sohn gebären. Dafür ist sie nicht nur nicht in Stimmung, es ist nicht nur unpassend, sondern sogar völlig unmöglich. Joseph ist auch nicht darauf eingestellt nun Vater zu werden. Beide sind überhaupt nicht in Stimmung wegen einer Volkszählung nach Bethlehem zu reisen. Jesus kam zur Welt, aber hat ihn jemand gefragt, ob er in Stimmung war, Gottes Sohn zu werden? Die Hirten auf dem Feld wurden von den Engeln geradezu überrumpelt und ob Maria so kurz nach der Geburt schon in Stimmung für einen Besuch war, dürfen wir bezweifeln.

Also: Weihnachten kommt einem so richtig in die Quere. Es durchkreuzt alle Erwartungen. Aber Menschen lassen sich darauf ein. Maria bekommt ihr Kind. Joseph wird Vater. Hirten machen sich auf den Weg. Gott wird Mensch – wie Sie und ich und ist in all dem dabei, was wir erleben und manchmal auch erleiden.

Darauf warte ich ab sofort wieder in diesem Advent ganz bewusst. Und wundere mich dann und wann. Gott gefällt es, in unpassende Situationen zu kommen. Gott ist ein bisschen unhöflich: kommt, wann er will, einfach so. Unvermutet. Unerwartet. Und zum Glück ist es gar nicht wichtig, ob ich in Stimmung für ihn bin.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 17.02.14
Kein Beinbruch
De van Nguyen
Kein Beinbruch

„Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfung machen muss." Diesen Satz hat meine Mutter vor vielen Jahren in einer Radioandacht gehört und seitdem bei vielen Gelegenheiten zitiert. Für mich hat dieser Satz erst eine Bedeutung nach meinem Examen bekommen. Keine Prüfungen mehr machen zu müssen. Was für eine unglaubliche Erleichterung. Keine Prüfungen mehr. Frei!

Die Zeugnisferien sind zu Ende. Ob die Zeit nötig war um erst mal durchzuatmen oder sich von einem Schrecken zu erholen, muss jeder Schüler selbst entscheiden. Jetzt geht es wieder los und „nach den Zeugnissen ist vor den Zeugnissen". Ein Hamsterrad - und die Entwicklungen in der Bildungspolitik verstärken dies nur. Früher blieb man mal sitzen. Das war doof, aber kein Beinbruch. Heute ist das mit viel mehr Zukunftsangst verbunden. Die Leistungsschrauben sind fest angezogen in unserem Schulsystem und wer nicht mitkommt ist ein Versager. Ich habe großes Mitleid mit den heutigen Schülern.

Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfungen mehr machen muss. Bis dahin ist dieser Satz kein Trost. Das schönste an Luthers Lehre ist, dass ich vor Gott nicht in eine Prüfungssituation komme und Angst vorm Durchfallen haben muss. Das ist mir jetzt schon Trost und nicht erst später.

Liebe Schüler, es gibt Schlimmeres als eine Fünf - vielleicht ist das jetzt schon ein Trost.

Meinen Großeltern wurde jedenfalls an jedem Zeugnistag schon aus dem Flur zugerufen: „Ist es nicht schön, dass wir alle gesund sind!"

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De van Nguyen

De
van Nguyen
Pastor i. R.
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 5560
Mo. 21.10.13
Gott bei Facebook
Jens Ubben
Gott bei Facebook

Verstecken bei Facebook geht nicht mehr, las ich letzte Woche. Nutzer des sozialen Netzwerks, die bisher nicht wollten, dass fremde Nutzer ihr Profil über eine Suchfunktion finden können, konnten das entsprechend einstellen. Damit soll bald Schluss sein. Im Suchfeld kann künftig jedes gewünschte Profil angezeigt werden.

Facebook hält mich auf dem Laufenden, was andere gerade machen, was sie beschäftigt, was sie mögen, wo sie gerade unterwegs sind, bei welcher Veranstaltung ich sie demnächst treffen kann. Da heißt es, gut zu überlegen, was der andere wissen darf. Manche sind da sparsam und wählen sorgfältig aus, von anderen erfahre ich pikante Details.

Beim Blick auf unzählige Profile und Statusmeldungen frage ich mich: Hat Gott wohl einen ähnlichen Überblick über uns Menschen? Psalm 139, ein Lied aus dem Alten Testament der Bibel, verrät mir: Er sieht und hört sogar viel mehr. Nicht nur Facebook-Freunde, nicht nur Facebook-Mitglieder, sondern alle Menschen. Er sieht nicht nur das, was Menschen in ihrer Statusmeldung schreiben, sondern er weiß, was jeder denkt und fühlt.

Erschreckend? Bei Facebook kann ich immerhin noch sorgfältig überlegen, was ich schreibe, wo ich meine Klicks mache und Spuren hinterlasse. Vor Gott ist dagegen nichts geheim. Er sieht alles. Auch meine gehässigen Gedanken, dunkle Geheimnisse. Er durchschaut mich!

Oder nicht doch erleichternd? Das hieße doch umgekehrt: Ich muss Gott nichts vormachen. Ich muss nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Weil er ohnehin alles über mich weiß, kann ich ihm durch Beten meine Probleme anvertrauen. Auch meine schlechten Gedanken und unausgesprochene Dinge meines Lebens. Gott gefällt nicht alles, was er bei mir sieht. Wenn ich andere Menschen oder mich selbst verletze. Wenn mein Leben sich ständig nur um mich dreht. Gott sieht es. Dann darf ich es auch aussprechen. Um Vergebung bitten. Um Hilfe zur Veränderung bitten. Und Gott mag mich trotz allem!

Hätte ich einen „Gefällt-mir-Button“, Gott würde ihn anklicken.

 

KONTAKT

Jens Ubben

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
Sa. 01.06.13
"Soviel du brauchst"
"Soviel du brauchst"

„Soviel du brauchst!“ (2. Mose 16,18) Das Volk Israel wurde gerade aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit. Sie hatten Hunger und Durst. Gott gab ihnen zu essen. Er machte sie satt. Er sorgte für sie, damit es ihnen gut ging. Er gab ihnen genug und jeden Tag wieder neu. Trotz seiner Fürsorge ermahnte er sie:  „Nehmt soviel ihr braucht, aber nicht mehr.  Ich werde jeden Tag neu für euch sorgen.“

„Soviel du brauchst“ sollst du nehmen.  Aber Gott bittet uns um verantwortliches Handeln.  Wir sollen es uns gut gehen lassen, aber nicht auf Kosten der Natur, der Gesellschaft, unserer Mitmenschen oder unserer eigenen Gesundheit.  Wir sollen keinen Raubbau begehen, auch nicht mit uns selber. Wir sollen Maß halten und für die Momente dankbar sein, die Gott uns jeden Tag neu schenkt.

„Soviel du brauchst“.  Im Alltag bleibt doch kaum Zeit, darüber nachzudenken.  Die Aufgaben, die täglich zu erledigen sind, halten uns in Trab. Sie geben uns oft das Gefühl, in einem Laufrad zu sein, ohne aussteigen zu können. Der Alltagsstress  lässt uns nicht los, und es bleibt das Gefühl der Zerrissenheit. Was fehlt, sind die Ruhe und die Entspannung, die geistige Wellness.

Sommerzeit ist auch Urlaubszeit. Eine Zeit, um den Alltagstrott zu unterbrechen: Eine Auszeit vom Stress in Schule, Beruf oder den alltäglichen Aufgaben. Urlaubszeit ist eine Zeit für Ruhe und Entspannung,  für Besinnung.

Und eine Zeit, um neue Kräfte zu tanken. Schön, wenn wir immer Urlaub hätten!

Aber: Warum nehmen wir uns nicht im  Alltag die Momente, den „Miniurlaub“ zum Auftanken? Im Alltag dürfen und müssen wir uns diese Zeiten erlauben und vor allem wahrnehmen. Den  Alltag einmal bewusst gestalten:  Sich hin und wieder Zeit für sich nehmen, anstatt permanent für andere da zu sein. Oder mit der Familie einen Ausflug machen, der zu einem Highlight für alle wird. Oder sich mit Freunden treffen.

Die Zeit der geistigen Wellness sieht für jeden anders aus. Aber erlauben Sie sich diese Zeit: „Soviel und was du brauchst“.

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