Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

Seiten

Datum
Titel
Name
Mo. 01.12.14
Nicht in Stimmung für Weihnachten
Matthias Richter
Nicht in Stimmung für Weihnachten

Immer in der Adventszeit erzählt meine Freundin in Berlin, dass sie überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten ist. Wahrscheinlich vergisst sie, dass sie das schon letztes Jahr erzählt hat. Mal sagt sie: „Wie soll man bei 13 Grad plus in Weihnachtsstimmung kommen!“ Dann denke ich: Wie sollen dann die Australier in Weihnachtsstimmung kommen? Ein anderes Mal sagt sie: „Das Geschiebe in der Stadt hat ja mit Weihnachtsstimmung überhaupt nichts zu tun! Außerdem ist in den Adventswochen im Büro immer viel zu tun. Wenn man es mit den Kollegen mal ein bisschen weihnachtlich machen möchte, sind stattdessen immer dringende Projekte zu bearbeiten. Und abends ist man dann ja auch nicht mehr in Stimmung.“ Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, fährt sie zu ihren Eltern. Dann gibt es drei Tage lang Lebkuchen, Stollen, Gänsebraten und Marzipan. Wenn sie wiederkommt, sagt sie: „Für meine Eltern besteht Weihnachten wohl nur aus Essen, ich habe bestimmt drei Kilo zugenommen.“ Ich glaube, wenn der Alltag wieder beginnt, ist sie richtig froh, dass sie nun nicht mehr in Weihnachtstimmung kommen muss

Sie ist bestimmt nicht die einzige, die sich mit dem Gefühl herumschlägt: „Ich bin überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten!“ Was soll man so jemandem sagen?

Man muss wohl die Personen anschauen, die zu Weihnachten gehören. Maria soll einen Sohn gebären. Dafür ist sie nicht nur nicht in Stimmung, es ist nicht nur unpassend, sondern sogar völlig unmöglich. Joseph ist auch nicht darauf eingestellt nun Vater zu werden. Beide sind überhaupt nicht in Stimmung wegen einer Volkszählung nach Bethlehem zu reisen. Jesus kam zur Welt, aber hat ihn jemand gefragt, ob er in Stimmung war, Gottes Sohn zu werden? Die Hirten auf dem Feld wurden von den Engeln geradezu überrumpelt und ob Maria so kurz nach der Geburt schon in Stimmung für einen Besuch war, dürfen wir bezweifeln.

Also: Weihnachten kommt einem so richtig in die Quere. Es durchkreuzt alle Erwartungen. Aber Menschen lassen sich darauf ein. Maria bekommt ihr Kind. Joseph wird Vater. Hirten machen sich auf den Weg. Gott wird Mensch – wie Sie und ich und ist in all dem dabei, was wir erleben und manchmal auch erleiden.

Darauf warte ich ab sofort wieder in diesem Advent ganz bewusst. Und wundere mich dann und wann. Gott gefällt es, in unpassende Situationen zu kommen. Gott ist ein bisschen unhöflich: kommt, wann er will, einfach so. Unvermutet. Unerwartet. Und zum Glück ist es gar nicht wichtig, ob ich in Stimmung für ihn bin.

KONTAKT

Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 17.02.14
Kein Beinbruch
De van Nguyen
Kein Beinbruch

„Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfung machen muss." Diesen Satz hat meine Mutter vor vielen Jahren in einer Radioandacht gehört und seitdem bei vielen Gelegenheiten zitiert. Für mich hat dieser Satz erst eine Bedeutung nach meinem Examen bekommen. Keine Prüfungen mehr machen zu müssen. Was für eine unglaubliche Erleichterung. Keine Prüfungen mehr. Frei!

Die Zeugnisferien sind zu Ende. Ob die Zeit nötig war um erst mal durchzuatmen oder sich von einem Schrecken zu erholen, muss jeder Schüler selbst entscheiden. Jetzt geht es wieder los und „nach den Zeugnissen ist vor den Zeugnissen". Ein Hamsterrad - und die Entwicklungen in der Bildungspolitik verstärken dies nur. Früher blieb man mal sitzen. Das war doof, aber kein Beinbruch. Heute ist das mit viel mehr Zukunftsangst verbunden. Die Leistungsschrauben sind fest angezogen in unserem Schulsystem und wer nicht mitkommt ist ein Versager. Ich habe großes Mitleid mit den heutigen Schülern.

Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfungen mehr machen muss. Bis dahin ist dieser Satz kein Trost. Das schönste an Luthers Lehre ist, dass ich vor Gott nicht in eine Prüfungssituation komme und Angst vorm Durchfallen haben muss. Das ist mir jetzt schon Trost und nicht erst später.

Liebe Schüler, es gibt Schlimmeres als eine Fünf - vielleicht ist das jetzt schon ein Trost.

Meinen Großeltern wurde jedenfalls an jedem Zeugnistag schon aus dem Flur zugerufen: „Ist es nicht schön, dass wir alle gesund sind!"

KONTAKT

De van Nguyen

De
van Nguyen
Pastor i. R.
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 5560
Mo. 21.10.13
Gott bei Facebook
Jens Ubben
Gott bei Facebook

Verstecken bei Facebook geht nicht mehr, las ich letzte Woche. Nutzer des sozialen Netzwerks, die bisher nicht wollten, dass fremde Nutzer ihr Profil über eine Suchfunktion finden können, konnten das entsprechend einstellen. Damit soll bald Schluss sein. Im Suchfeld kann künftig jedes gewünschte Profil angezeigt werden.

Facebook hält mich auf dem Laufenden, was andere gerade machen, was sie beschäftigt, was sie mögen, wo sie gerade unterwegs sind, bei welcher Veranstaltung ich sie demnächst treffen kann. Da heißt es, gut zu überlegen, was der andere wissen darf. Manche sind da sparsam und wählen sorgfältig aus, von anderen erfahre ich pikante Details.

Beim Blick auf unzählige Profile und Statusmeldungen frage ich mich: Hat Gott wohl einen ähnlichen Überblick über uns Menschen? Psalm 139, ein Lied aus dem Alten Testament der Bibel, verrät mir: Er sieht und hört sogar viel mehr. Nicht nur Facebook-Freunde, nicht nur Facebook-Mitglieder, sondern alle Menschen. Er sieht nicht nur das, was Menschen in ihrer Statusmeldung schreiben, sondern er weiß, was jeder denkt und fühlt.

Erschreckend? Bei Facebook kann ich immerhin noch sorgfältig überlegen, was ich schreibe, wo ich meine Klicks mache und Spuren hinterlasse. Vor Gott ist dagegen nichts geheim. Er sieht alles. Auch meine gehässigen Gedanken, dunkle Geheimnisse. Er durchschaut mich!

Oder nicht doch erleichternd? Das hieße doch umgekehrt: Ich muss Gott nichts vormachen. Ich muss nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Weil er ohnehin alles über mich weiß, kann ich ihm durch Beten meine Probleme anvertrauen. Auch meine schlechten Gedanken und unausgesprochene Dinge meines Lebens. Gott gefällt nicht alles, was er bei mir sieht. Wenn ich andere Menschen oder mich selbst verletze. Wenn mein Leben sich ständig nur um mich dreht. Gott sieht es. Dann darf ich es auch aussprechen. Um Vergebung bitten. Um Hilfe zur Veränderung bitten. Und Gott mag mich trotz allem!

Hätte ich einen „Gefällt-mir-Button“, Gott würde ihn anklicken.

 

KONTAKT

Jens Ubben

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
Sa. 01.06.13
"Soviel du brauchst"
Ingrid Radlanski
"Soviel du brauchst"

„Soviel du brauchst!“ (2. Mose 16,18) Das Volk Israel wurde gerade aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit. Sie hatten Hunger und Durst. Gott gab ihnen zu essen. Er machte sie satt. Er sorgte für sie, damit es ihnen gut ging. Er gab ihnen genug und jeden Tag wieder neu. Trotz seiner Fürsorge ermahnte er sie:  „Nehmt soviel ihr braucht, aber nicht mehr.  Ich werde jeden Tag neu für euch sorgen.“

„Soviel du brauchst“ sollst du nehmen.  Aber Gott bittet uns um verantwortliches Handeln.  Wir sollen es uns gut gehen lassen, aber nicht auf Kosten der Natur, der Gesellschaft, unserer Mitmenschen oder unserer eigenen Gesundheit.  Wir sollen keinen Raubbau begehen, auch nicht mit uns selber. Wir sollen Maß halten und für die Momente dankbar sein, die Gott uns jeden Tag neu schenkt.

„Soviel du brauchst“.  Im Alltag bleibt doch kaum Zeit, darüber nachzudenken.  Die Aufgaben, die täglich zu erledigen sind, halten uns in Trab. Sie geben uns oft das Gefühl, in einem Laufrad zu sein, ohne aussteigen zu können. Der Alltagsstress  lässt uns nicht los, und es bleibt das Gefühl der Zerrissenheit. Was fehlt, sind die Ruhe und die Entspannung, die geistige Wellness.

Sommerzeit ist auch Urlaubszeit. Eine Zeit, um den Alltagstrott zu unterbrechen: Eine Auszeit vom Stress in Schule, Beruf oder den alltäglichen Aufgaben. Urlaubszeit ist eine Zeit für Ruhe und Entspannung,  für Besinnung.

Und eine Zeit, um neue Kräfte zu tanken. Schön, wenn wir immer Urlaub hätten!

Aber: Warum nehmen wir uns nicht im  Alltag die Momente, den „Miniurlaub“ zum Auftanken? Im Alltag dürfen und müssen wir uns diese Zeiten erlauben und vor allem wahrnehmen. Den  Alltag einmal bewusst gestalten:  Sich hin und wieder Zeit für sich nehmen, anstatt permanent für andere da zu sein. Oder mit der Familie einen Ausflug machen, der zu einem Highlight für alle wird. Oder sich mit Freunden treffen.

Die Zeit der geistigen Wellness sieht für jeden anders aus. Aber erlauben Sie sich diese Zeit: „Soviel und was du brauchst“.

KONTAKT

Ingrid Radlanski

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Diakon/-innen
Ingrid
Radlanski
Diakonin
Große Straße 14
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 2857

Seiten