Die Marienkirche

Seit über 160 Jahren gibt es die Ahauser Kirche in ihrer jetzigen Gestalt. Sie enthält keine besonderen Kunstschätze, aber sie hat das Leben der Menschen in den Dörfern Ahausen, Eversen, Hellwege und Unterstedt begleitet. (Bis 1848 gehörten auch noch die Moordörfer, die heute die Kirchengemeinde Posthausen bilden, zum Kirchspiel Ahausen)  Hier sind Kinder getauft, Konfirmanden eingesegnet und Paare getraut worden. Manchem wurde auch die Grabrede gehalten. Hier rufen Glocken zum Gottesdienst.

Die Marienkirche

Seit wann es in Ahausen eine Kirche gibt, wissen wir nicht. Die erste Erwähnung findet sich im Jahre 1226. In einer Urkunde wird ein „Godefridus sacerdos de Ouhusen“ genannt. Einen Priester namens Gottfried gab es also damals in Ahausen. Und wo ein Priester war, wird sicher auch eine Kirche gewesen sein.

Die Ahauser Kirche war abhängig vom Dom zu Verden. Die Domherren waren Inhaber der Pfarrstellen auf den Dörfern. Sie übten aber den pfarramtlichen Dienst nicht selbst aus, sondern zogen nur die Einnahmen ein. Vor Ort ließen sie sich durch Priester vertreten, die von einem Bruchteil der Einnahmen bezahlt wurden.

1. Zerstörung und Aufbau

Die nächste Erwähnung erfolgt erst Jahrhunderte später, damals war Ahausen schon evangelisch geworden.

Das Bistum Verden war in der Reformationszeit lutherisch geworden. Im Jahre 1572 wurde die erste evangelische Visitation abgehalten. Für Ahausen gibt es noch Aufzeichnungen des damaligen Pastors Henricus Kehling. Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahre 1626, wurde die Kirche ausgeplündert. Damals wurde im Verzeichnis der Einkünfte der Kirche festgehalten:

Von der pfarkirchen Auhausen

Die kirch zue Auhausen ist fur 400 jahren in honorem Mariae fundiret. Und weilen anno 1385 ein meyerhof, negest der kirchen belegen, plötzlich sambt allen gebauten abgebrannt, ist das feur auch in die kirchen gekommen, hat dieselbig bis uf die mauren in aschen gelecht. Die glocken sein versmolzen und alles, was in der kirchen gewesen, verbrandt. Die itzige kirche ist wiederumb erbauet anno 1386.

Die Ahauser Kirche ist ,,in honorem Mariae fundiret", also ,,zu Ehre der Maria gegründet". Hier wird zum ersten Male der Name „Marienkirche“ erwähnt.

Wenn die Kirche „fur 400 jahren“ gegründet sein soll, dann wären wir etwa in der Zeit des Priesters Gottfried.

 

2. Die neue Kirche

1848 beabsichtigte man zunächst einen Umbau der Kirche, weil sie zu klein und zu dunkel erschien. Dann sollte neu gebaut werden. Am 22.Mai 1848 wurde die alte Kirche abgerissen, am 18.Juli war Richtfest, am 1.Advent wurde die neue Kirche eingeweiht.

1892 wird das Innere so beschrieben:

„Die Wände sind braunrot gestrichen und in Steinmuster gesetzt, unten Quader, nach oben durch rechteckige Steinmuster abgelöst. Gestühl gelbe Holzfarbe, die Säulen und Außenwände der Priechen (= Emporen) sind grau marmoriert. Türen und Fenster in Holzfarben. Decke tiefblau mit Bronzesternen in den Fächern.“

Die Kirche hatte damals rechts und links von der Kanzel große fensterähnliche Öffnungen. Bei einer Renovierung 1892 sind sie durch Holzplatten verschlossen worden, weil sie, wie berichtet wird, den Schaulustigen bei Trauungen als Logen dienten. An die Stelle hängte man zwei große Öldrucke, „Himmelfahrt“ und „Christus in Gethsemane“.

 

3. Die Renovierung von 1939

1939 wurde die Kirche unter Leitung des Kirchenmalers Martin Gotta  renoviert.

Die losen Kirchenbänke vorn im Altarraum wurden beseitigt. Die Namensschilder an den Bänken entfernt. Der Haupteingang durch den Turm wurde angelegt. Eine Warmluftheizung eingebaut. Die Orgel wurde auf „zeitgemäßen Stand“ gebracht. Die Fensteröffnungen neben der Kanzel wurden vermauert und die Bilder entfernt. Statt dessen brachte man Bibelsprüche an. Die bisherigen Öffnungen rechts und links vom Altar wurden mit Türen versehen. Man beseitigte die Altarschranken, das Altarbild (ein Druck nach Leonardo da Vincis  Abendmahlsbild) und ein Kruzifix aus Gips. Ferner wurden von der Kanzel alle Verzierungen abgesägt (die dann 1957 wieder angebracht wurden). Gotta entwarf einen neuen Taufstein und passende Leuchter, der Drechsler Holsten in Sottrum fertigte sie an. Der Taufstein war eine schwarze Säule mit oben einer Kugel und unten einer Halbkugel als Fuß. Er steht heute in der Unterstedter Kapelle. Entfernt wurde der große mehrarmige Kronleuchter (mit Pelikanen als Schmuck).

 

4. Die Renovierung von 1957

Die nächste Renovierung fand 1957 zur Zeit von Pastor Hermann Crome statt. Die Kirche bekam einen neuen Anstrich und die Heizung wurde umgebaut. Die 1939 angebrachten Wandsprüche wurden entfernt und die „Verstümmelungen“ an der Kanzel rückgängig gemacht. Altarleuchter und Taufe entfernte man wieder. Für die Taufe ergab sich, daß die Kirchengemeinde Hagen (Kreis Neustadt a. R.) einen älteren Taufstein wieder aufstellen konnte und die gedrechselte Holztaufe aus dem Anfang des 19. Jhdts. entbehren konnte. Sie wurde in Ahausen aufgestellt, ebenso wie ein ergänztes und restauriertes Lesepult aus dieser Zeit. Ein neues Altarbild verfertigte der Maler Karl Varnecke aus Hannover. Es stellt das Abendmahl dar, in schlichten Grau - und Goldtönen auf Holz gemalt, die Umrisse der Figuren leicht vertieft.. Das Kruzifix mußte in den Werkstätten des Landesmuseums in Hannover restauriert werden, da es in den letzten Kriegstagen durch Beschuß beschädigt worden war. Es wurde tiefer angebracht und das Sims zwischen Kanzel und Kruzifix entfernt.

 

Bei der letzten Renovierung im Jahre.1985 wurden die Bänke bequemer gestaltet, die Sitzflächen verbreitert, die Lehnen angeschrägt und Polster aufgebracht. Der Altarraum wurde mit Stühlen versehen und die Kirche erhielt einen neuen Innenanstrich.

 

Die Ausstattung

1. Die Kanzel

Die Kanzel ist noch aus dem Vorgängerbau erhalten. Sie wurde 1848 in die Altarwand eingefügt, in der alten Kirche hat sie seitlich an einem Pfeiler gestanden. Es handelt sich um eine barocke Arbeit des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler.  Die Figuren zeigen die vier Evangelisten mit ihren Erkennungszeichen: Matthäus (Engel), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler). Vorn ist Petrus mit dem Schlüssel dargestellt.

2. Die Taufe

Die Taufe stammt aus der Kirche von Hagen (Kreis Neustadt /Rb.), von wo sie 1957 an die Ahauser Kirche abgegeben wurde. Ein schlichte klassizistische Arbeit aus dem Anfang des 19. Jhtds.

3. Das Kreuz

Das Cruzifix ist ein barockes Kunstwerk, über dessen Herkunft nichts bekannt ist. Der Zimmermeister Wilhelm Campe hat es 1848 aus einer anderen Kirche nach Ahausen gebracht. Es hat ein besonderes Schicksal gehabt: Am Ende des 2. Weltkrieges gab es heftige Kämpfe um das Dorf. Dabei wurde das Cruzifix von einem Granatsplitter schwer beschädigt und in den Werkstätten des Landesmuseums in Hannover wieder hergestellt.

4. Das Lesepult

Ebenfalls eine klassizistische Arbeit aus dem Anfang des 19. Jhdts., Herkunft unbekannt.

5. Das Altarbild

Bei der Renovierung 1957 bei dem Maler Karl Varnecke in Hannover in Auftrage gegeben. Die Einsetzung des Abendmahls ist dargestellt mit Judas (mit Geldbeutel) im Vordergrund. Die Farbtöne weiß, grau und gold nehmen die Farbgebung der übrigen Kirche auf und fügen sich der Kanzelwand gut ein. Die Zeichnung ist in knappen Strichen gehalten. Dennoch hat jedes Gesicht seinen besonderen Ausdruck. Man muß allerdings dicht herangehen, um das Bild ganz aufnehmen zu können.

6. Die Glocken

Die große Glocke: Nach der Zerstörung einer Glocke im Dreißigjährigen Krieg wurde 1637 eine neue Glocke angeschafft. Diese war geborsten und wurde 1716 neu gegossen, 1785 bekam auch diese Glocke Risse und wurde durch Johann Philipp Bartels in Bremen 1786 nochmals gegossen. In dieser Form hat sie bis heute die Zeiten überdauert.

Sie wiegt 1014 Pfund. Außer einigen Verzierungen trägt sie die Inschrift:  Anno 1786 hat in Bremen durch M. Johann Philip Bartels diese Glocke  die christliche Gemeine zu Ahausen gießen lassen, da daselbst Diedrich Wilhelm Zeidler Pastor, Johann Christian Bernhardt Augspurg Amtsvoigt, Johann Christian Georg Vieregge Küster, Cord Küsel, Hinrich Intemann und Hinrich Diercks Kirchenjuraten waren.

Die kleine Glocke: Als Taufglocke und Uhrglocke 1956 angeschafft. Inschrift:  Euch ist heute der Heiland geboren.

7. Der Armen - Block

Ein unscheinbarer grauer Kasten steht vorne rechts an der Seitentür. Auch er stammt noch aus der alten Kirche. Es ist der „Armen - Block“, ein Kasten, in dem Spenden für die Armen im Ort gesammelt wurden. Viermal im Jahr öffneten Kirchenvorsteher den Kasten und verteilten die Gelder an Bedürftige.

 

 

 

 

BILDER (2)
die Kirche heute

WEITERE INFORMATIONEN

Als "Offene Kirche" ist das Gebäude in der Zeit von Ostern bis zum Ernetedankfest täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.